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S.41.6 Kámabhú III
Zu
einer Zeit weilte der Ehrwürdige Kámabhú in Macchikásanda im Mangohain. Da nun
begab sich Citto, der Hausvater, dorthin, wo der Ehrwürdige Kámabhú weilte,
wechselte höflichen Gruß und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend,
sprach Citto, der Hausvater, zum Ehrwürdigen Kámabhú:
I.
"Wieviele
Gestaltungen, o Herr, gibt es?"
"Es gibt,
Hausvater, drei Gestaltungen:
Körperliche Gestaltungen,
sprachliche
Gestaltungen,
Gestaltungen des
Herzens".
"Gut,
o Herr," sagte Citto, der Hausvater, über die Worte des Ehrwürdigen
Kámabhú erfreut und befriedigt, und stellte eine weitere Frage an ihn:
"Was aber ist, o Herr, körperliche Gestaltung, was sprachliche Gestaltung,
was Gestaltung des Herzens?"
"Ein-
und Ausatmung, Hausvater, ist körperliche Gestaltung;
Erwägen
und Sinnen ist sprachliche Gestaltung;
Wahrnehmung
und Gefühl ist Gestaltung des Herzens".
"Gut,
o Herr", sagte Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Und warum, o Herr, ist Ein- und Ausatmung körperliche Gestaltung, warum
ist Erwägen und Sinnen sprachliche Gestaltung, warum ist Wahrnehmung und Gefühl
Gestaltung des Herzens?"
"Ein-
und Ausatmung, Hausvater, sind körperliche Eigenschaften, sind an den Körper
gebunden: darum ist Ein- und Ausatmung körperliche Gestaltung.
Was
man vorher erwogen und gesonnen hat, Hausvater, das spricht man nachher aus:
darum ist Erwägen und Sinnen sprachliche Gestaltung.
Wahrnehmung
und Gefühl sind Eigenschaften des Gemütes, an das Herz gebunden: darum ist
Wahrnehmung und Gefühl Gestaltung des Herzens".
"Gut,
o Herr," sagte Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Und wie kann man, o Herr, die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit
erreichen?"
"Das
ist nicht so, Hausvater, als ob ein Mönch, der die Auflösung von Wahrnehmung
und Fühlbarkeit erreicht, dächte: 'Ich werde die Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit erreichen' oder 'Ich erreiche die Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit' oder 'Ich habe die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit
erreicht', sondern er hat sein Herz vorher soweit ausgebildet, daß es zu diesem
Zustand geführt wird."
"Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Und wenn ein Mönch die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit erreicht
hat, o Herr, welche Dinge lösen sich zuerst auf, die körperliche Gestaltung,
die sprachliche Gestaltung oder die Gestaltung des Herzens?"
"Wenn
ein Mönch, Hausvater, die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit erreicht,
dann löst sich zuerst die sprachliche Gestaltung auf, dann die körperliche und
dann die des Herzens".
II.
"Gut,
o Herr", sagte Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Welcher Unterschied besteht nun, o Herr, zwischen einem Toten, der die
Zeit erfüllt hat, und einem Mönch, der die Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit erreicht hat?"
"Wer
da, Hausvater, tot ist, wer die Zeit erfüllt hat, dessen körperliche
Gestaltungen sind aufgelöst und zur Ruhe gekommen, dessen sprachliche
Gestaltungen sind aufgelöst und zur Ruhe gekommen, dessen Gestaltungen des
Herzens sind aufgelöst und zur Ruhe gekommen, die Lebenskraft ist aufgezehrt,
die Wärme ist verflogen, die Sinne sind zerstört. Der Mönch aber, Hausvater,
der die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit erreicht hat, dessen
körperliche, sprachliche und Herzensgestaltungen sind zwar aufgelöst und zur
Ruhe gekommen, aber die Lebenskraft ist nicht aufgezehrt, die Wärme ist nicht
verflogen, die Sinne sind gestillt. Das ist der Unterschied, Hausvater,
zwischen einem Toten, der die Zeit erfüllt hat, und einem Mönch, der die
Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit erreicht hat".
III.
'Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, und stellt eine weitere Frage:
"Und wie kann man, o Herr, die Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung
und Gefühl aufheben?"
"Das
ist nicht so, Hausvater, als ob ein Mönch, der die Erreichung der Auflösung von
Wahrnehmung und Fühlbarkeit aufhebt, denkt: 'Ich werde sie aufheben' oder 'Ich
hebe sie auf oder 'Ich habe sie aufgehoben', sondern er hat sein Herz vorher
soweit ausgebildet, daß es zu diesem Zustand geführt wird".
"Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Wenn ein Mönch, o Herr, die Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit aufhebt, welche Dinge steigen zuerst wieder auf, die körperliche
Gestaltung, die sprachliche Gestaltung oder die Gestaltung des Herzens?"
"Dem
Mönch, Hausvater, der die Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit aufhebt, dem steigt zuerst die Gestaltung des Herzens auf, dann die
körperliche, dann die sprachliche Gestaltung".
"Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Und was für Berührungen, o Herr, berühren den Mönch, der die Erreichung
der Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit aufhebt?"
"Den
Mönch, Hausvater, der die Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit aufhebt, berühren drei Berührungen: die Berührung der Leerheit, die
Berührung der Vorstellungslosigkeit, die Berührung der
Nicht-gerichtetheit".
"Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, und stellte eine weitere Frage:
"Und wohin, o Herr, ist das Herz eines Mönches, der die Erreichung der
Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit aufhebt, geneigt, gebeugt,
gesenkt?"
"Das
Herz, eines Mönches, Hausvater, der die Erreichung der Auflösung von
Wahrnehmung und Fühlbarkeit aufhebt, ist zur Einsamkeit geneigt, zur Einsamkeit
gebeugt, zur Einsamkeit gesenkt".
IV.
"Gut,
o Herr", sagte da Citto, der Hausvater, über die Worte des Ehrwürdigen
Kámabhú erfreut und befriedigt, und stellte ihm eine weitere Frage:
"Welche
Dinge, o Herr, sind zur Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung und
Fühlbarkeit am nützlichsten?"
"Wirklich,
Hausvater, du fragst zuletzt, was du zuerst hättest fragen sollen, doch ich
werde es dir beantworten: Zur Erreichung der Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit
sind zwei Dinge am nützlichsten: Ruhe und Klarsicht".
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