|
S.46.52. Standpunkt
In
Sávatthi.
Da
nun nahmen einige Mönche in der Frühe Mantel und Schale und begaben sich nach
Sávatthi um Almosenspeise. Da gedachten sie "Zu früh ist es noch, um in
Sávatthi auf Almosengang zu gehen. Wie wäre es aber, wenn wir zum Klostergarten
der andersfährtigen Pilger gingen?"
Und
sie gingen dorthin, wechselten freundlichen Gruß und denkwürdige Wort, mit
ihnen und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandten sich jene
andersfährtigen Pilger also an die Mönche:
"Der
Asket Gotamo, Brüder, zeigt seinen Jüngern so die Lehre: 'Kommt, ihr Mönche,
überwindet die 5 Hemmungen, die Trübungen des Gemütes, die die Weisheit
schwächen und entfaltet wirklichkeitsgemäß die 7 Erwachungsglieder'. Wir aber,
Brüder, zeigen unseren Jüngern die Lehre ebenso. Was ist nun, Bruder, die
Besonderheit, was die Zielsetzung, was die Verschiedenheit zwischen dem Asketen
Gotamo und uns hinsichtlich Lehrdarlegung und Unterweisung?''
Da
nun stimmten jene Mönche den Worten der andersfährtigen Pilger weder zu noch
lehnten sie sie ab. Ohne zuzustimmen, ohne abzulehnen, erhoben sie sich und
gingen fort: "Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte
erfahren".
Nachdem
jene Mönche in Sávatthi ihren Almosengang beendet hatten, begaben sie sich
dorthin, wo der Erhabene weilte, begrüßten ihn und setzten sich zur Seite
nieder. Zur Seite sitzend, wandten sie sich an den Erhabenen und berichteten
ihm den ganzen Vorfall.
"So
angesprochen, ihr Mönche, wäre den andersfährtigen Pilgern also zu erwidern
gewesen: 'Es gibt, ihr Brüder, einen Standpunkt, wenn man ihn einnimmt, sind
die fünf Hemmungen zehn und die sieben Erwachungsglieder vierzehn'. Danach
gefragt, wären, ihr Mönche, die andersfährtigen Pilger nicht imstande gewesen,
Bescheid zu geben, sondern würden sich in Widersprüche verwickeln. Und warum?
Weil es, ihr Mönche, über ihr Begriffsvermögen hinausgeht. Keinen sehe ich, ihr
Mönche, in der Welt mit ihren Máros und Brahmas, mit ihren Asketen und
Brahmenen, ihrer Schar von Göttern und Menschen, der durch eine Antwort auf
diese Frage das Herz erheben könnte, außer dem Vollendeten oder einem Jünger
des Vollendeten oder jemand, der es von ihnen gehört hat.
I.
Nach
welchem Standpunkt aber, ihr Mönche, wenn man ihn einnimmt, sind die 5
Hemmungen zehn?
Der
eigene Wunscheswille, ihr Mönche, ist eine Hemmung. Der Wunscheswille anderer
ist eine Hemmung. Sprechen wir von Hemmung durch Wunscheswillen, dann ist dies
gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Der
eigene Haß, ihr Mönche, ist eine Hemmung. Der Haß anderer ist eine Hemmung.
Sprechen wir von Hemmung durch Haß, dann ist dies gemeint. Nach diesem
Standpunkt ist es also zwiefach.
Mattheit,
ihr Mönche, ist eine Hemmung. Müdigkeit ist eine Hemmung. Sprechen wir von
Hemmung durch matte Müde, dann ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es
also zwiefach.
Erregung,
ihr Mönche, ist eine Hemmung. Unruhe ist eine Hemmung. Sprechen wir von Hemmung
durch Erregung und Unruhe, dann ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es
also zwiefach.
Zweifel
über innere Dinge, ihr Mönche, ist eine Hemmung. Zweifel über äußere Dinge ist
eine Hemmung. Sprechen wir von Hemmung durch Zweifel, dann ist dies gemeint.
Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Das
ist, ihr Mönche, der Standpunkt, wenn man ihn einnimmt, nach welchem die 5
Hemmungen zehn sind.
II.
Nach
welchem Standpunkt aber, ihr Mönche, wenn man ihn einnimmt, sind die sieben
Erwachungsglieder vierzehn?
Achtsamkeit,
ihr Mönche, bei inneren Dingen ist ein Erwachungsglied der Achtsamkeit. Und
Achtsamkeit bei äußeren Dingen ist ein Erwachungsglied der Achtsamkeit.
Sprechen wir vom Erwachungsglied der Achtsamkeit, dann ist dies gemeint. Nach
diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Wenn
man, ihr Mönche, innere Dinge weise ergründet, darüber nachsinnt, sie gründlich
prüft, dann ist dies das Erwachungsglied Lehrergründung. Wenn man äußere Dinge
weise ergründet, darüber nachsinnt, sie gründlich prüft, dann ist dies das
Erwachungsglied Lehrergründung. Sprechen wir vom Erwachungsglied Lehrergründung,
dann ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Was
da, ihr Mönche, körperliche Tatkraft ist, das ist das Erwachungsglied Tatkraft.
Was da, im Gemüte Tatkraft ist, das ist das Erwachungsglied Tatkraft. Sprechen
wir vom Erwachungsglied Tatkraft, dann ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt
ist es also zwiefach.
Was
da, ihr Mönche, Entzücken mit Erwägen und Sinnen ist, das ist das
Erwachungsglied Entzücken. Was da Entzücken ohne Erwägen und Sinnen ist, das
ist das Erwachungsglied Entzücken. Sprechen wir vom Erwachungsglied.Entzücken,
dann ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Was
da, ihr Mönche, körperliche Gestilltheit ist, das ist das Erwachungsglied Gestilltheit.
Was da Gestilltheit des Herzens ist, das ist das Erwachungsglied Gestilltheit.
Sprechen wir vom Erwachungsglied Gestilltheit, dann ist dies gemeint. Nach
diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Was
da, ihr Mönche, Einigung mit Erwägen und Sinnen ist, das ist das
Erwachungsglied Einigung. Was da Einigung ohne Erwägen und Sinnen ist, das ist
das Erwachungsglied Einigung. Sprechen wir vom Erwachungsglied Einigung, dann
ist dies gemeint. Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Was
da, ihr Mönche, Gleichmut bei inneren Dingen ist, das ist das Erwachungsglied
Gleichmut. Was da Gleichmut bei äußeren Dingen ist, das ist das Erwachungsglied
Gleichmut. Sprechen wir vom Erwachungsglied Gleichmut, dann ist dies gemeint.
Nach diesem Standpunkt ist es also zwiefach.
Das
ist, ihr Mönche, der Standpunkt, wenn man ihn einnimmt, nach welchem die sieben
Erwachungsglieder vierzehn sind.
|