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Samyutta Nikáya

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  • 1. Devatá-Samyutta - Von den Devatas
    • 11-20 Nandanavagga - Der Abschnitt vom Nandanahain
      • S.1.20. Samiddhi
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S.1.20. Samiddhi

 
Auf unser Sutta bezieht sich die Játaka-Erzählung 167 (= Játaka II. 56ff. der Fausböllschen Ausgabe) und es kommen hier auch die beiden in 3 der Devatá und dem Samiddhi in den Mund gelegten Verse als Worte einer Göttin und Antwort des Bodhisatta vor.
 

1. Also habe ich vernommen.
Einstmals weilte der Erhabene in Rájagaha im Tapodáráma.

2. Da nun begab sich der ehrwürdige Samiddhi, nachdem er von der Nachtruhe gegen die Morgenzeit hin sich erhoben, dorthin, wo die Tapodá(-Quelle) sich befand, die Glieder zu überspülen. Nachdem er im warmen Wasser *f40) die Glieder überspült hatte und wieder herausgestiegen war, stand er da, mit einem einzigen Gewand bekleidet, seine Glieder trocknend.

3. Da nun begab sich in vorgeschrittener Nacht eine Devatá, mit ihrer herrlichen Schönheit den ganzen Tapodá(-Park) erhellend, dorthin, wo sich der ehrwürdige Samiddhi befand. Nachdem sie sich dorthin begeben, redete sie, in der Luft schwebend, den ehrwürdigen Samiddhi mit folgender Strophe an:

"Ohne genossen zu haben gehst du betteln, o Bhikku! -
nicht gehst du ja betteln, nachdem du genossen.
Nachdem du genossen hast, Bhikkhu, gehe betteln,
damit dir die Zeit nicht entkommt."

(Samiddhi erwiderte:)
"Die Zeit *f41) kenne ich nicht; verhüllt ist die Zeit, man sieht sie nicht:
Darum gehe ich betteln, ohne genossen zu haben,
damit mir die Zeit nicht entkommt."

4. Da nun sprach die Devatá, auf dem Erdboden stehend, zu dem ehrwürdigen Samiddhi also: "Als Knabe hast du, o Bhikkhu, von der Welt dich abgekehrt, jung, schwarzhaarig, mit glücklicher Jugend begabt, im ersten Lebensalter, ohne dich ergötzt zu haben an den sinnlichen Genüssen. Genieße,o Bhikkhu, die menschlichen Freuden, damit du nicht das Gegenwärtige aufgibst und künftiger Zeit nachläufst."

5. "Nicht geb' ich doch, Verehrte, Gegenwärtiges auf und laufe künftiger Zeit nach; künftige Zeit vielmehr, Verehrte, gebe ich auf und laufe Gegenwärtigem nach *f42). Zeitlich, sind Verehrte, die sinnlichen Genüsse nach dem Wort des Erhabenen, leidvoll, voll Verzweiflung, das Schädliche an ihnen ist überwiegend. Im gegenwärtigen Dasein schon wirkend ist diese unsere Lehre, an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen."


 

6. "Inwiefern aber, o Bhikkhu, sind die sinnlichen Genüsse zeitlich nach dem Wort des Erhabenen, leidvoll, voll Verzweiflung, das Schädliche an ihnen überwiegend? Inwiefern ist diese Lehre im gegenwärtigen Dasein schon wirkend, an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen?"

 
7. "Ich bin ja, Verehrte, jung, habe unlängst erst von der Welt mich abgekehrt, bin jetzt erst eingetreten; ich kann also diese unsere Lehre und Regel nicht ausführlich darlegen. Der Erhabene, der Vollendete, der Allbuddha weilt in Rájagaha, im Tapodáráma. Zu dem Erhabenen begib dich und befrage ihn nach dieser Sache. Wie dir der Erhabene Bescheid gibt, so magst du es erfassen."

 
8. "Es ist nicht leicht für uns, o Bhikkhu, zu dem Erhabenen uns zu begeben, da er von anderen machtvollen Devatás umgeben ist. Wenn aber du, o Bhikkhu, zu dem Erhabenen dich begibst und ihn nach dieser Sache befragst, so wollen auch wir mitkommen, die Lehre zu hören."

 
9. "Gut, Verehrte", erwiderte der ehrwürdige Samiddhi aufhorchend der Gottheit und begab sich dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder.
 

10. Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Samiddhi zu dem Erhabenen also: "Da habe ich mich nun, Herr, nachdem ich von der Nachtruhe gegen die Morgenzeit hin mich erhoben, dahin begeben, wo die Tapodá(-Quelle) sich befindet, die Glieder zu überspülen. Nachdem ich im warmen Wasser die Glieder überspült hatte und wieder herausgestiegen war, stand ich da, mit einem einzigen Gewand bekleidet, meine Glieder trocknend.
 

11. Da nun, Herr, begab sich in vorgeschrittener Nacht eine Devatá von herrlicher Schönheit, den ganzen Tapodá(-Park) erhellend, dorthin, wo ich mich befand. Nachdem sie sich dorthin begeben, redete sie, in der Luft schwebend, mich mit folgender Strophe an:

'Ohne genossen zu haben gehst du betteln, o Bhikkhu! -
nicht gehst du ja betteln, nachdem du genossen.
Nachdem du genossen hast, Bhikkhu, gehe betteln,
damit dir die Zeit nicht entkommt'.
 
Auf dieses Wort hin, Herr, erwiderte ich der Devatá mit folgender Strophe:
 
'Die Zeit kenne ich nicht; verhüllt ist die Zeit, man sieht sie nicht:
Darum gehe ich betteln, ohne genossen zu haben,
damit mir die Zeit nicht entkommt.'
 
12. Da nun, Herr, sprach die Devatá, auf dem Erdboden stehend, zu mir folgendes 'Als Knabe hast du, o Bhikkhu, von der Welt dich abgekehrt, jung, schwarzhaarig, mit glücklicher Jugend begabt, im ersten Lebensalter, ohne dich ergötzt zu haben an den sinnlichen Genüssen. Geniesse, o Bhikkhu, die menschlichen Freuden, damit du nicht das Gegenwärtige aufgibst und künftiger Zeit nachläufst.'

 
13. Auf dieses Wort hin, Herr, sprach ich zu der Devatá also: 'Nicht geb' ich doch, Verehrte, Gegenwärtiges auf und laufe künftiger Zeit nach; künftige Zeit vielmehr, Verehrte, gebe ich auf und laufe Gegenwärtigem nach. Zeitlich sind, Verehrte, die sinnlichen Genüsse nach dem Wort des Erhabenen, leidvoll, voll Verzweiflung, das Schädliche an ihnen ist überwiegend. Im gegenwärtigen Dasein schon wirkend ist diese unsere Lehre, an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen.'

 
14. Auf dieses Wort hin, Herr, sprach die Devatá zu mir also: 'Inwiefern aber, o Bhikkhu, sind die sinnlichen Genüsse zeitlich nach dem Wort des Erhabenen, leidvoll, von Verzweiflung, das Schädliche an ihnen überwiegend? Inwiefern ist diese Lehre im gegenwärtigen Dasein schon wirkend, an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen?"

 
15. Auf dieses Wort hin, Herr, sprach ich zu der Devatá also: 'Ich bin ja, Verehrte, jung, habe unlängst erst von der Welt mich abgekehrt, bin jetzt erst eingetreten; ich kann also diese unsere Lehre und Regel nicht ausführlich darlegen. Der Erhabene, der Vollendete, der Allbuddha weilt in Rájagaha, im Tapodáráma. Zu dem Erhabenen begib dich und frage ihn nach dieser Sache. Wie dir der Erhabene Bescheid gibt, magst du es erfassen.'
 

16. Auf dieses Wort hin, Herr, sprach die Devatá zu mir also: 'Es ist nicht leicht für uns, o Bhikkhu, zu dem Erhabenen uns zu begeben, da er von anderen machtvollen Devatás umgeben ist. Wenn aber du, o Bhikkhu, zu dem Erhabenen dich begibst und ihn nach dieser Sache befragst, so wollen auch wir mitkommen, die Lehre zu hören.' Wenn, Herr, das Wort der Devatá wahr gewesen, ist die Devatá hier in der Nähe."

 
17. Auf dieses Wort hin sprach die Devatá zu dem ehrwürdigen Samiddhi folgendes: "Frage, Bhikkhu, frage, Bhikku ich bin mitgekommen."

 
18. Da nun redete der Erhabene die Devatá mit der Strophe an:

"Was benannt werden muß, *f43) das stellen die Wesen sich vor;
auf dem, was benannt werden muß, fußen sie;
Das, was benannt werden muß, nicht verstehend,
geraten sie in des Todes Bereich.

Wer das, was benannt werden muß, versteht,
der denkt in bezug auf den, der benennt:
'Das hat nichts zu tun mit ihm.' Womit man es ausdrücken mag,
das ist kein Teil von ihm.
Wenn du das begreifst, dann sag' es, Yakkha!" *f44)

 

19. "Nicht kann ich ja von diesem kurz gefaßten Ausspruch des erhabenen Herrn den Sinn ausführlich verstehen. Wolle mir der erhabene Herr es gütigst so sagen, daß ich von diesem kurz gefaßten Ausspruch des Erhabenen den Sinn ausführlich verstehe."

 
20. "Gleich, Höher oder Niedriger: wer daran denkt,
wird dadurch in Streit geraten;
Wer aber in allen drei Lagen unerschüttert bleibt,
für den gibt es ein Gleich oder Höher nicht.
Wenn du das begreifst, dann sag' es, Yakkha!"
 

21. "Auch von diesem kurz gefaßten Ausspruch des erhabenen Herrn kann ich den Sinn nicht ausführlich verstehen. Wolle mir der erhabene Herr es gütigst so sagen, daß ich von diesem kurz gefaßten Ausspruch des Erhabenen den Sinn ausführlich verstehe."

 
22. "Er hat (alle) Benennung aufgegeben, *f45) ist in keine Behausung eingekehrt; *f46)
Er hat den Durst abgeschnitten nach Name und Form:
Ihn, der die Fesseln durchschnitten,
der frei ist von Leid und hoffendem Erwarten,
Haben suchend nicht gefunden
Götter und Menschen hier und im Jenseits,
In den Himmeln und an allen Stätten. *f47)
Wenn du das begreifst, dann sag' es, Yakkha!"

 

23." Ich verstehe von diesem kurz gefaßten Ausspruch des erhabenen Herrn den Sinn ausführlich so:

"Man soll kein Böses tun mit Worten oder Gedanken
Oder körperlich in der ganzen Welt;
Die sinnlichen Genüsse aufgebend, besonnen, voll bewußt
Soll man dem Leiden nicht nachgehen, das mit Unsegen verknüpft ist."

(Vgl. unten Sutta 40).

 




*f40) Es heißt hier tapode, nicht tapodáya; wir haben es also nicht mit dem Eigennamen zu tun. Auch an der Parallelstelle A.V.196.5 ist offenbar tapode die richtige Lesart.

*f41) Hier in dem Sinne, "die mir bestimmte Frist, die Zeit des Todes, der Tod". Der Komm. I. 49.16 hat maranakálam. Das Wort kála kann geradezu "Tod" bedeuten.

*f42) Die Stelle ist für uns kaum übersetzbar. Es liegt ein Spiel mit den verschiedenen Bedeutungen von samditthika und kálika vor. Für die Devatá ist jenes die gewisse, vor Augen liegende Gegenwart, dieses die unbekannte Zeit, die ungewisse Zukunft.
Buddha aber bezeichnet (vgl. 12. 42.12, Bd. II, S. 100) seine Lehre als samditthika "gegenwärtig, d.h. im gegenwärtigen Dasein schon wirkend" und als akálika "zeitlos, an keine (nicht erst an künftige) Zeit gebunden", und hierauf bezieht sich Samiddhi in seiner Antwort.
 

*f43) P. ahkheyya = skr. ákhyeya (Wz. khyá). Ich glaube, daß damit die dhammá, die empirischen Dinge, gemeint sind. Der akkhyátar (Z.2), der sie benennt, ist der Mensch. Der Rätselvers enthält darum die Grundidee der buddhistischen Lehre: wer das Wesen der dhammá nicht richtig erfaßt hat, der ist dem samsára, der endlosen Folge von Tod und Wiedergeburt verfallen; wer es kennt, hat mit ihnen nichts zu tun, wird erlöst.-' Die Verse finden sich auch im Itivuttaka 63 (= S. 53-54); doch ist die letzte Zeile verschieden.



*f44) P. yakkha, (es ist yakkháti, nicht yakkhíti zu lesen) bedeutet allgemein ein übermenschliches, göttliches oder dämonisches Wesen. Auch die Devas, wie der Gott Sakka (= Indra) und die vier großen Könige, welche die Weltgegenden regieren, sind Yakkhas. Vgl. Vimánavatthu Commentary (Paramatthadípáni) ed. Hardy, S. 333.11, sowie Majjh.37 (= I. 252.10ff.) Selbst der Buddha wird in einem Vers (Majjh.56 = 386.31) ein Yakkha genannt.

 



*f45) P. pahási samkham. Der Sinn ist: er hat alles empirische Sein hinter sich gelassen. Vgl samkham nopeti vedagú Sn.749 in ähnlichem Sinn, sowie rúpasamkhávimutto (vedana-, saññá-, samkhára-, viññánasamkhávimutto) tathágato M I. 487.34, 488.8ff. womit ausgedrückt ist, daß der Tathágata losgelöst ist von "Name und Form".



*f46) P. na vimánam ágá (so liest der Komm. in der Siam. Ausg. I. 57.12). Erklärt wird dies merkwürdiger Weise zuerst so, als stünde navamánam im Text. Weiterhin wird aber dann vimána auf den Mutterleib, also auf eine neue Existenz bezogen.



*f47) Der Sinn des Verses, der unten in Sutta 34 wiederkehrt, ist dieser: Der Erlöste hat zu existieren aufgehört, man findet ihn in keinem Weltenraum.

 






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