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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 61-70 Mahávagga - Der Große Abschnitt
      • S.12.63. Fleisch vom Sohn
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S.12.63. Fleisch vom Sohn

 

Die Gleichnisse in diesem Sutta sind nicht so deutlich, wie das sonst in der Regel der Fall ist. Mit Zuhilfenahme des Kommentars sind sie etwa in folgender Weise zu deuten. Den Nahrungsstoff "eßbare Speise" (kabalimkára) nimmt der "fromme Jünger" nur so hin, wie die beiden Eheleute das Fleisch ihres Sohnes essen. Er dient ihm nicht zu Freude und Genuß, sondern nur eben zur Erhaltung des augenblicklichen Daseins. In den drei anderen Gleichnissen sind phassa "Berührung", manosamcetaná "Denktätigkeit des Geistes" und viññána "Bewußtsein" das, was uns in den samsára, dem Kreislauf der Wiedergeburten verstrickt und ihn bedingt. Das an den Samsára gekettete Wesen stellen die Kuh mit der wunden Haut, der sein Leben liebende Mann und der Missetäter vor. Der Samsára wird als etwas Leidvolles gedacht, einmal unter dem Bilde der Lebewesen, welche die kranke Kuh quälen, dann unter dem der Grube mit den glühenden Kohlen, und im letzten Gleichnis unter dem der über den Missetäter verhängten Strafen. In den zwei letzten Gleichnissen sollen die beiden Männer die den dritten in die Glut werfen, und der König, der die grausame Strafe verhängt, das die Wiedergeburt bedingende Kamma bedeuten. Hat man nun das Wesen von phassa, manosamcetaná und viññána richtig erfaßt d. h. weiß man, daß das Dasein, zu dem sie führen, nichts ist als Leiden, so hat man das Ziel der Erlösung erreicht.

 

1. Ort der Begebenheit: Sávatthí.

 

2. "Diese vier Nahrungsstoffe, ihr Bhikkhus, dienen den Wesen, die (schon) geboren sind, zur Erhaltung, oder den Wesen, die nach Wiedergeburt suchen, zur Förderung.

 

3. Welche vier? Die eßbare Speise, grobe oder feine; die Berührung ist der zweite; die Denktätigkeit des Geistes ist der dritte; das Bewußtsein ist der vierte. Das also sind, ihr Bhikkhus, die vier Nahrungsstoffe für die Wesen, die (schon) geboren sind, zur Erhaltung, und für die Wesen, die nach Wiedergeburt suchen, zur Förderung.

 

4. Und wie ist, ihr Bhikkhus, der Nahrungsstoff eßbare Speise zu verstehen?

 

5. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn zwei Eheleute mit spärlicher Reisezehrung den Weg durch eine Wildnis *f178) anträten, und sie hätten einen einzigen Sohn, der ihnen lieb und wert wäre.

 

6. Nun aber würde, ihr Bhikkhus, von den beiden Eheleuten, während sie in der Wildnis sich befänden, die spärlich bemessene Reisezehrung aufgebraucht, ginge zu Ende; sie wären aber aus dem übrigen Teil der Wildnis noch nicht heraus gekommen.

 

7. Nun aber käme, ihr Bhikkhus, den beiden Eheleuten der Gedanke: unsere spärlich bemessene Reisezehrung ist aufgebraucht, ist zu Ende gegangen, und wir sind aus dem übrigen Teil der Wildnis noch nicht heraus gekommen. Wie wäre es jetzt, wenn wir unseren einzigen Sohn, der uns lieb und wert ist, töteten, Dürrfleisch und eingepfeffertes Fleisch *f179) herstellten und, indem wir des Sohnes Fleisch äßen, aus dem übrigen Teil der Wildnis heraus kämen, damit wir nicht alle drei umkommen müssen?

 

8. Und nun töteten, ihr Bhikkhus, die beiden Eheleute ihren einzigen Sohn, der ihnen lieb und wert war, stellten Dürrfleisch und eingepfeffertes Fleisch her und kämen, indem sie des Sohnes Fleisch äßen, aus dem übrigen Teil der Wildnis heraus, und sie äßen des Sohnes Fleisch und preßten es an die Brust, (klagend): wo bist du, einziger Sohn, wo bist du, einziger Sohn?

 

9. Was haltet ihr davon, ihr Bhikkhus? Würden diese Leute zu ihrer Freude den Nahrungsstoff zu sich nehmen, würden sie zu ihrer Lust den Nahrungsstoff zu sich nehmen, würden sie zu ihrem Genuß den Nahrungsstoff zu sich nehmen, würden sie zu ihrem Vergnügen den Nahrungsstoff zu sich nehmen?" - "Nein, Herr, das ist nicht der Fall."

 

10. "Würden nicht diese Leute, ihr Bhikkhus, nur eben, bis sie aus der Wildnis herausgekommen, diesen Nahrungsstoff zu sich nehmen?" - "Jawohl, Herr."

 

11. "Ganz ebenso, behaupte ich, ihr Bhikkhus, ist der Nahrungsstoff eßbare Speise zu verstehen. Wenn der Nahrungsstoff eßbare Speise, ihr Bhikkhus, richtig erkannt ist, ist auch die Begierde nach den fünffachen sinnlichen Genüssen *f180) richtig erkannt. Wenn die Begierde nach den fünffachen sinnlichen Genüssen richtig erkannt ist, dann gibt es auch die Fessel nicht, durch die gefesselt ein frommer Jünger wieder in diese Welt zurückkehren würde.

 

12. Und wie ist, ihr Bhikkhus, der Nahrungsstoff Berührung zu verstehen?

 

13. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine Kuh mit aufgerissener Haut *f181) bei einer Mauer stünde, so würden die in der Mauer hausenden Lebewesen von ihr zehren; wenn sie bei einem Baum stünde, so würden die im Baum hausenden Lebewesen von ihr zehren; wenn sie im Wasser stünde, so würden die im Wasser hausenden Lebewesen von ihr zehren; wenn sie in der freien Luft stünde, so würden die in der freien Luft hausenden Lebewesen von ihr zehren. Wo immer ja, ihr Bhikkhus, die Kuh mit aufgerissener Haut stünde, da würden immer die an der jeweiligen Stelle hausenden Lebewesen von ihr zehren: Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist der Nahrungsstoff Berührung zu verstehen.

 

14. Wenn der Nahrungsstoff Berührung richtig erkannt ist, ihr Bhikkhus, sind auch die drei Formen der Empfindung *f182) richtig erkannt. Wenn die drei Formen der Empfindung richtig erkannt sind, dann, behaupte ich, gibt es für den frommen Jünger fürderhin nichts mehr zu tun.

 

15. Und wie ist, ihr Bhikkhus, der Nahrungsstoff Denktätigkeit des Geistes zu verstehen?

 

16. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine über Mannesgröße tiefe Kohlengrube angefüllt wäre mit glühenden, nicht mehr rauchenden Kohlen *f183); und es käme da ein Mann daher, der gerne leben möchte, der kein Verlangen hätte zu sterben, der an Lustvollem Genuß hätte und Leidvollem widerstrebte; den nun packten zwei kräftige Männer bei beiden Armen und schleppten ihn zu der Kohlengrube: da wäre wohl, ihr Bhikkhus, weitab jenes Mannes Denken, weitab sein Wunsch, weitab sein Verlangen.

 

17. Warum das? Es wäre ja, ihr Bhikkhus, dem Mann wohl bewußt *f184): wenn ich in die Kohlengrube stürzen werde, erleide ich infolge davon den Tod oder Schmerz, der zum Tode führt. Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist der Nahrungsstoff Denktätigkeit des Geistes zu verstehen.

 

18. Wenn der Nahrungsstoff Denktätigkeit des Geistes, ihr Bhikkhus, richtig erkannt ist, sind auch die drei Formen des Durstes *f185) richtig erkannt. Wenn die drei Formen des Durstes richtig erkannt sind, dann, behaupte ich, gibt es für den frommen Jünger künftighin nichts mehr zu tun.

 

19. Und wie ist, ihr Bhikkhus, der Nahrungsstoff Bewußtsein zu verstehen?

 

20. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da die Leute einen verbrecherischen Räuber eingefangen hätten und ihn dem König vorführten: ,Hier, Majestät, ist der verbrecherische Räuber; verhänge über ihn die Strafe, die dir beliebt.' Darauf hin spräche der König: ,Geht, ihr Leute, und trefft den Mann um die Morgenzeit mit hundert Spießen' *f186), und sie träfen ihn um die Morgcnzeit mit hundert Spießen.

 

21. Und um die Mittagszeit spräche der König also: ,Ihr Leute, wie ist es mit dem Mann?' - ,Noch ist er am Leben, Majestät.' - Daraufhin spräche der König: ,Geht, ihr Leute, und trefft den Mann um die Mittagszeit mit hundert Spießen', und sie träfen ihn um die Mittagszeit mit hundert Spießen.

 

22. Und um die Abendzeit spräche der König also: ,Ihr Leute, wie ist es mit dem Mann?' - ,Noch ist er am Leben Majestät.' - Daraufhin spräche der König also: ,Geht, ihr Leute und trefft den Mann um die Abendzeit mit hundert Spießen', und sie träfen ihn um die Abendzeit mit hundert Spießen.

 

23. Was haltet ihr davon, ihr Bhikkhus? Würde wohl der Mann, von dreihundert Spießen getroffen, dadurch Schmerz und Qual empfinden?" - "Schon von einem einzigen Spieß getroffen, Herr, würde er dadurch Schmerz und Qual empfinden, geschweige denn, von dreihundert Spießen getroffen."

 

24. "Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, behaupte ich, ist der Nahrungsstoff Bewußtsein zu verstehen.

 

25. Wenn der Nahrungsstoff Bewußtsein, ihr Bhikkhus, richtig erkannt ist, ist auch Name und Form richtig erkannt. Wenn Name und Form richtig erkannt ist, dann, behaupte ich, gibt es für den frommen Jünger künftighin nichts mehr zu tun."

 




*f178) Im Komm. (II. 132.6) werden fünf Arten "Wildnis" (kantára) unterschieden: solche, die durch Räuber, solche, die durch wilde Tiere, solche, die durch böse Geister (amanussa) gefährlich ist, solche, wo Wassermangel herrscht, und solche, wo man keine Nahrung findet.



*f179) P. vallúrañ ca sondikañ ca. Letzteres Wort bringt Sten Konow (Journ. Páli Text Soc. 1909, S. 227) mit skr. saundí "Ianger Pfeffer" in Zusammenhang.



*f180) P. pañcakámaguniko rágo: Fünffach mit Bezug auf die fünf Sinne Gesicht, Gehör, Geschmack, Geruch und Gefühl.



*f181) P. niccamma, wtl. "hautlos". Der Komm. (II. 142.9) sagt: "wo die Haut von den Hufen an bis zu den Wurzeln der Hörner aufgerissen (uddálita) ist."



*f182) P. tisso vedaná. Die drei Formen der vedaná sind oben Sutta 62. 9-11 genannt.



*f183) P. angáránám vítaccikánam vítadhúmanam. Gemeint sind Kohlen ohne offene Flamme, in vollster Glut sich befindend. Der Komm. (II. 144.6) fügt hinzu eten' assa mahápariláham dasseti.



*f184) Ich lese viditam hi tassa purisassa hoti. Nach der Lesung der Ausgabe wäre zu übersetzen "denn also kommt dem Mann der Gedanke".



*f185) Es sind hier wohl kámatanhá "Durst nach sinnlichem Genuß", bhavatanhá "Durst nach Werden" und vibhavatanhá "Durst nach Aufhebung der Existenz" gemeint.



*f186) P. imam purisam sattisatena hanatha, offenbar eine besonders grausame Form der Hinrichtung, ein allmähliches Töten.






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