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Samyutta Nikáya

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  • 22. Khandha-Samyutta - Die Daseinsgruppen
      • S.22.2. Devadaha
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S.22.2. Devadaha

 

1. So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Devadaha, einer Stadt der Sakyer.

 

2. Da begab sich eine Anzahl Mönche, die aus einem Dorf des Westlandes stammten, zum Erhabenen. Sie begrüßten ihn ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder.

 

3. Seitwärts sitzend sprachen jene Mönche zum Erhabenen also: "Wir möchten, o Herr, in die westliche Provinz gehen, in der westlichen Provinz Aufenthalt nehmen *f48)." - "Habt ihr, o Mönche, Sáriputta um Zustimmung gefragt?" - "Nicht haben wir, o Herr, den Ehrwürdigen Sáriputta um Zustimmung gefragt." - " So fragt, o Mönche, Sáriputta um Zustimmung! Ein Weiser unter den Mönchen ist Sáriputta, ein Förderer der Mitmönche *f49)." - "Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhaben.

 

4. Zu jener Zeit nun hatte sich der Ehrwürdige Sáriputta nicht weit vom Erhabenen in einem Elagalá-Gebüsch niedergesetzt *f50).

 

5. Jene Mönche nun, erfreut und befriedigt durch das Wort des Erhabenen, erhoben sich von ihrem Sitz, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, vollzogen die Rechtsumwandlung und begaben sich zum Ehrwürdigen Sáriputta. Dort angelangt tauschten sie mit dem Ehrwürdigen Sáriputta höfliche, freundliche Begrüßung aus und setzten sich zur Seite nieder.

 

6. Seitwärts sitzend sprachen jene Mönche zum Ehrwürdigen Sáriputta also: "Wir möchten, Bruder Sáriputta, in die westliche Provinz gehen, in der westlichen Provinz Aufenthalt nehmen. Um Zustimmung befragt haben wir den Meister."

 

7. "Es mag nun sein, Brüder, daß da gelehrte Adelige, gelehrte Brahmanen, gelehrte Hausväter, gelehrte Asketen dem aus fremdem Land gekommenen Mönch eine Frage stellen. Denn gelehrte Leute, Brüder, pflegen in solcher Weise nachzuforschen *f51): 'Was lehrt der Meister der Ehrwürdigen, was verkündet er?' - Sind nun von den Ehrwürdigen die Lehren gut gelernt, gut aufgefaßt, gut gemerkt, gut bewahrt, gut mit Verständnis durchdrungen worden? Dem Worte des Erhabenen gemäß möget ihr, o Ehrwürdige, erklären! Nicht möget ihr den Erhabenen fälschlich bezichtigen! Der Lehre gemäß möget ihr erklären, damit nicht die betreffende, auf die Lehre bezügliche Aussage Anlaß zu Tadel gibt."

 

8. "Von weit her würden wir kommen, o Bruder, um beim Ehrwürdigen Sáriputta den Sinn jener Rede zu erfahren. Gut, wahrlich, wäre es, wenn eben dem Ehrwürdigen Sáriputta der Sinn jener Rede aufleuchten würde."

 

9. "So höret denn, Brüder, merket wohl auf. Ich werde sprechen!" - "Ja, o Bruder", antworteten jene Mönche dem Ehrwürdigen Sáriputta. Der Ehrwürdige Sáriputta nun sprach also:

 

10. "Es mag sein, Brüder, daß da gelehrte Adelige, gelehrte Brahmanen, gelehrte Hausväter, gelehrte Asketen dem aus fremdem Land gekommenen Mönch eine Frage stellen. Denn gelehrte Leute, Brüder, pflegen in solcher Weise nachzuforschen: 'Was lehrt der Meister der Ehrwürdigen, was verkündet er?' So befragt, möget ihr, Brüder, also erklären: 'Die Überwindung der Willensgier, Brüder, verkündet unser Meister.'

 

11. Nach solcher Erklärung, Brüder, würden da die gelehrten Adeligen, gelehrten Brahmanen, gelehrten Hausväter, gelehrten Asketen dem aus fremdem Land gekommenen Asketen noch eine weitere Frage stellen: 'Welcher Willensgier Überwindung verkündet denn der Meister der Ehrwürdigen?' So befragt, möget ihr, o Brüder, also erklären: 'Die Überwindung der Willensgier nach Körperlichkeit - nach Gefühl - nach Wahrnehmung - nach Gestaltungen - nach Bewußtsein verkündet unser Meister.'

 

12. Nach solcher Erklärung, Brüder, würden da die gelehrten Adeligen ... noch eine weitere Frage stellen: 'Welches Übel sah denn der Meister der Ehrwürdigen dabei, daß er die Überwindung der Willensgier nach Körperlichkeit kündete, nach Gefühl, nach Wahrnehmung, nach Gestaltungen, nach Bewußtsein?' So befragt möget ihr, o Brüder, erklären: 'Wenn bei der Körperlichkeit - beim Gefühl - bei der Wahrnehmung - bei den Gestaltungen - beim Bewußtsein Gier nicht geschwunden ist, Wille, Zuneigung, Dürsten, Fiebern und Begehren nicht geschwunden sind, dann entstehen durch Wandel und Veränderung der Körperlichkeit - des Gefühls - der Wahrnehmung - der Gestaltungen - des Bewußtseins Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Dieses Übel sehend, ihr Brüder, verkündete unser Meister die Überwindung der Willensgier nach Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewußtsein.'

 

13. Nach solcher Erklärung, ihr Brüder, würden da die gelehrten Adeligen ... noch eine weitere Frage stellen: 'Welchen Gewinn sah denn der Meister der Ehrwürdigen dabei, daß er die Überwindung der Willensgier nach Körperlichkeit, nach Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen und nach Bewußtsein verkündete?' So befragt, möget ihr, o Brüder, also erklären: 'Wem bei der Körperlichkeit, beim Gefühl, bei der Wahrnehmung, den Gestaltungen und beim Bewußtsein Gier geschwunden ist, Wille, Zuneigung, Dürsten, Fiebern und Begehren geschwunden sind, nicht entstehen dem durch Wandel und Veränderung der Körperlichkeit, des Gefühls, der Wahrnehmung, der Gestaltungen und des Bewußtseins Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Diesen Gewinn sehend, ihr Brüder, verkündete unser Meister die Überwindung der Willensgier nach Körperlichkeit, nach Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen und nach Bewußtsein.'

 

14. (Nach solcher Erklärung würden da die gelehrten Adeligen ... also sprechen:) 'Auch beim Ausüben unheilsamer Dinge, o Brüder, mag man schon bei Lebzeiten in glücklichem Zustand weilen, ohne Plage, ohne Verzweiflung, ohne Pein, und nach des Körpers Zerfall, nach dem Tode, mag gute Fährte zu erwarten sein. Nicht sollte daher der Erhabene das Aufgeben unheilsamer Dinge empfehlen.'

 

15. (So angesprochen, möget ihr, o Brüder, also erklären:) 'Weil man eben, Brüder, beim Ausüben unheilsamer Dinge schon bei Lebzeiten in leidvollem Zustand weilt, voller Plage, voller Verzweiflung, voller Pein, und nach des Körpers Zerfall, nach dem Tode, eine schlechte Fährte zu erwarten ist, deshalb empfiehlt der Erhabene das Aufgeben unheilsamer Dinge.'

 

16. (Darauf würden die gelehrten Adeligen ... also sprechen:) 'Auch beim Ausüben heilsamer Dinge, o Brüder, mag man schon bei Lebzeiten in leidvollem Zustand weilen, voller Plage, voller Verzweiflung, voller Pein, und nach des Körpers Zerfall, nach dem Tode mag eine schlechte Fährte zu erwarten sein. Nicht sollte daher der Erhabene das Ausüben heilsamer Dinge empfehlen.'

 

17. (So angesprochen, möget ihr, Brüder, also erklären:) 'Weil man eben, Brüder, beim Ausüben heilsamer Dinge schon bei Lebzeiten in glücklichem Zustand weilt, ohne Plage, ohne Verzweiflung, ohne Pein, und nach des Körpers Zerfall, nach dem Tode, eine gute Fährte zu erwarten ist, deshalb empfiehlt der Erhabene das Ausüben heilsamer Dinge.'"

 

18. So sprach der Ehrwürdige Sáriputta. Entzückten Herzens freuten sich jene Mönche über das Wort des Ehrwürdigen Sáriputta.




*f48) Komm.: für die dreimonatige Regenzeit.



*f49) Der Komm. bringt über Sáriputta als 'Förderer der Mitmönche' folgende schöne Ausführungen: "Auf zweifache Weise ist Sáriputta ein Förderer: durch körperliche Förderung und durch geistige Förderung. Der Ehrwürdige Sáriputta - so sagt man - begab sich nicht schon am frühen Morgen, wie die anderen Mönche, auf den Almosengang. sondern ging, nachdem sich alle Mönche entfernt hatten, im Kloster umher, fegte die nicht gefegten Stellen, entfernte den nicht entfernten Kehricht, brachte die nicht in Ordnung gebrachten Betten, Stühle und Matten in Ordnung... Dann ging er zum Krankenraum, sprach den Kranken Trost zu und fragte sie nach ihren Wünschen. Wonach sie verlangten, solche Arznei ließ er - hierzu die jungen Novizen heranziehend - durch Almosengang oder aus dem Gemeinschaftsraum besorgen und gab sie den Kranken. Sich an die Novizen wendend, sprach er: 'Das Aufwarten der Kranken, wahrlich, haben die Erwachten und Einzel-Erwachten gepriesen! Nun geht, ihr Guten, und seid unermüdlich!' - Mit solchen Worten entließ er die Novizen und ging nun selbst um Almosenspeise. Nachdem er bei der ihn unterstützenden Familie das Mahl eingenommen hatte, begab er sich wieder zum Kloster. Solches war seine Gewohnheit an einem ständigen Aufenthaltsort. Wenn sich nun der Erhabene auf die Wanderschaft begab, so nahm Sáriputta nicht etwa gleich Sandalen und Schirm und folgte dem Buddha als Allererster, denkend: 'Ich bin der Hauptjünger', vielmehr: denjenigen, die an diesem Platze alt waren oder krank oder noch sehr jung, denen ließ er die schmerzenden Körperstellen mit Öl einreiben und, diese Mönche mit sich nehmend, folgte er am gleichen oder am nächsten Tage... So förderte er durch körperliche Förderung. In seiner Unterweisung nun, ob auch hundert- oder tausendmal - immer weiter unterwies er, bis jener Schüler im Ziel des ,Stromeintritts' gefestigt war. Hatte er diesen zur Befreiung geführt, dann unterwies er einen anderen. Die in solcher Weise Unterwiesenen, in der empfangenen Belehrung feststehend, gelangten als Heilige jenseits von Maß und Begriff. So förderte er durch geistige Förderung."



*f50) Lt. Komm. hatte man dort eine Art Laube errichtet, über die man als Bedachung das genannte Buschwerk wachsen ließ.



*f51) Im Text steht das Hauptwort vímamsaká, d.i. '(sind) Forscher'; Komm. erklärt mit attha-gavesino, 'Wahrheitsucher'.






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