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Samyutta Nikáya

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  • 22. Khandha-Samyutta - Die Daseinsgruppen
      • S.22.55. Ein feierlicher Ausspruch
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S.22.55. Ein feierlicher Ausspruch

(Ein feierlicher Ausspruch - udána)

 

1. So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Sávatthí, im Jeta-Hain, im Kloster des Anáthapindika.

 

2. Dort nun tat der Erhabene diesen feierlichen Ausspruch: "'Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden *f110)!' Ein so entschlossener Mönch *f111) mag wohl die niederen Fesseln *f112) durchschneiden *f113)."

 

3. Nach diesen Worten sprach ein Mönch zum Erhabenen also: "Wie nun aber, o Herr (ist dies zu verstehen): 'Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden! - Ein so entschlossener Mönch mag wohl die niederen Fesseln durchschneiden'?"

 

4. "Es ist da, o Mönch, ein unerfahrener Weltmensch...; der betrachtet die Körperlichkeit als das Selbst oder das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst oder das Selbst als in der Körperlichkeit. Er betrachtet das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als Bewußtsein besitzend oder das Bewußtsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewußtsein.

 

5. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der vergänglichen Körperlichkeit: 'Vergänglich ist die Körperlichkeit'. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom vergänglichen Gefühl - von der vergänglichen Wahrnehmung - von den vergänglichen Gestaltungen - vom vergänglichen Bewußtsein: 'Vergänglich ist das Bewußtsein'.

 

6. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der leidvollen Körperlichkeit: 'Leidvoll ist die Körperlichkeit'. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom leidvollen Gefühl von der leidvollen Wahrnehmung - von den leidvollen Gestaltungen - vom leidvollen Bewußtsein: 'Leidvoll ist das Bewußtsein'.

 

7. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der ichlosen Körperlichkeit: 'Ichlos ist die Körperlichkeit'. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom ichlosen Gefühl - von der ichlosen Wahrnehmung - von den ichlosen Gestaltungen - vom ichlosen Bewußtsein: 'Ichlos ist das Bewußtsein'.

 

8. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß von der zusammengesetzten Körperlichkeit: 'Zusammengesetzt ist die Körperlichkeit'. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß vom zusammengesetzten Gefühl - von der zusammengesetzten Wahrnehmung - von den zusammengesetzten Gestaltungen - vom zusammengesetzten Bewußtsein: 'Zusammengesetzt ist das Bewußtsein'.

 

9. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß: 'Schwinden wird die Körperlichkeit'. Er weiß nicht der Wirklichkeit gemäß: 'Schwinden wird das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das Bewußtsein'.

 

10. Es ist da aber, o Mönch, ein erfahrener, edler Jünger...; nicht betrachtet er die Körperlichkeit als das Selbst oder das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst oder das Selbst als in der Körperlichkeit. Nicht betrachtet er das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als Bewußtsein besitzend oder das Bewußtsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewußtsein.

 

11.-15. Der Wirklichkeit gemäß weiß er von der vergänglichen - leidvollen - ichlosen - zusammengesetzten Körperlichkeit...: 'Vergänglich ist die Körperlichkeit...' Er weiß der Wirklichkeit gemäß: 'Schwinden wird die Körperlichkeit... '

 

16. Wegen des Schwindens der Körperlichkeit - des Gefühls - der Wahrnehmung - der Gestaltungen - des Bewußtseins ist es, daß dieser Mönch also denkt: 'Würde ich nicht gewesen sein, nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden!' - Ein so entschlossener Mönch mag wohl die niederen Fesseln durchschneiden."

 

17. "So also, o Herr, mag ein also entschlossener Mönch die niederen Fesseln durchschneiden. Wie wissend, o Herr, wie verstehend, kommt es aber unmittelbar darauf zur Versiegung der Triebe *f114)?"

 

18. "Es ist da, o Mönch, ein unerfahrener Weltmensch: in einem Falle, wo nichts zu fürchten ist, empfindet er Furcht. Denn Furcht empfindet, o Mönch, der unerfahrene Weltmensch (beim Gedanken): 'Würde ich nicht gewesen sein...'

 

19. Es ist da aber ein erfahrener, edler Jünger: er empfindet keine Furcht in einem Falle, wo nichts zu fürchten ist. Denn nicht empfindet, o Mönch, der erfahrene, edle Jünger Furcht (beim Gedanken): 'Würde ich nicht gewesen *f115) ein...'

 

20.-30. (sind eine genaue Wiiderholung von 53. 4-11)

 

31. So wissend, o Mönch, so verstehend, kommt es unmittelbar zur Versiegung der Triebe."




*f110) No c'assam no ca me siyá; na bhavissati na me bhavissati. Der Komm. erklärt: Wenn ich nicht in der Vergangenheit Karma angehäuft hätte, so würden mir jetzt nicht diese fünf Gruppen des Anhangens (beschieden) sein. So will ich mich denn jetzt in solcher Weise anstrengen, daß mir künftig ein die Gruppen erzeugender karmischer (Willens-) Vorgang (kamma-sankhára) nicht (beschieden) sein wird; wenn dieser nicht da ist, dann wird mir künftig keine Wiedergeburt (beschieden) sein. - Vgl. A.VII.52; ferner findet sich dieser Ausspruch als Ansicht Andersgläubiger (Vernichtungsglaube) in A.X.29 sowie in der vorliegenden Übersetzung S.22.81 u. S.22.152 und S.24.4.



*f111) PTS: vimuccamáno; hier aber im Sinne von adhimuccamáno, wie auch Bu. in Text und Kommentar liest. - Komm.: Solchen Entschluß fassend, mag da der Mönch, auf die beiden schwächeren (Heiligkeits-) Vorbedingungen (s. Anm. 113) gestützt, die fünf niederen Fesseln durchschneiden.



*f112) Die fünf niederen Fesseln (orambhágiyáni samyojanáni), deren völlige Lösung zur Stufe des Nicht-Wiederkehrers (anágámin) führt, sind: 1. Persönlichkeitsglaube, 2. Zweifel, 3. Hängen an Regeln und Riten, 4. Sinnengier, 5. Übelwollen.



*f113) Zu diesem Abschnitt heißt es im Komm. "Er tat den feierlichen Ausspruch: 'Würde ich nicht gewesen sein...' Aus welchem Grunde kam dieser Ausspruch dem Erhabenen in den Sinn? Um der auf die Erlösung hinzielenden Natur der Lehre willen. So dachte er: 'Diese drei (zur Heiligkeit befähigenden) Vorbedingungen (upanissaya, wörtl. «Stützen») gibt es: Gebefreudigkeit, Sittlichkeit, Geistesentfaltung. Davon sind die Vorbedingungen «Gebefreudigkeit» und «Sittlichkeit» schwach, die Vorbedingung «Geistesentfaltung» ist stark. «Gebefreudigkeit» und «Sittlichkeit» nämlich lassen zu den drei ersten «Pfaden» und «Zielen» (des Stromeintritts, der Einmal-Wiederkehr und der Nicht-Wiederkehr) gelangen; «Geistesentfaltung» (Meditation) aber läßt die Heiligkeit erreichen. Der auf die beiden schwachen Vorbedingungen gestützte Mönch durchschneidet kämpfend und strebend die fünf niederen Fesseln und bringt drei «Pfade» und «Ziele» zum Entstehen."



*f114) anantaro ásavánam khayo; Komm.: die unmittelbar auf die Erreichung des (Heiligkeits-) Pfades folgende Erreichung des (Heiligkeits-) Zieles. - Lt. Komm. ist der Sinn des folgenden Abschnitts 18: "Warum wird er nicht mit Bestimmtheit zerschneiden?" Die Antwort ist dann, daß im Falle eines noch schwachen Klarblicks ein letzter Rest von Ich-Wahn sich als Furcht vor der 'Vernichtung' manifestieren kann.



*f115) Komm. zu Abschn. 18: "'Denn Furcht empfindet der unerfahrene Weltmensch bei dem Gedanken: «Würde ich nicht gewesen sein...»' - Dies bezieht sich auf schwachen Klarblick. Weil nämlich schwacher Klarblick die Selbstliebe nicht bewältigen kann, deshalb empfindet der unerfahrene Weltmensch die Furcht: 'Jetzt werde ich vernichtet werden, nicht werde ich nun irgend etwas sein!' Er sieht sein Ich gleichsam in einen Abgrund fallen, wie es von einem gewissen Brahmanen erzählt wird: Im unteren Geschoß des Bronze-Palastes (Loha-pásáda, in der alten Königsstadt Anurádhapura in Ceylon) trug einmal der Ordensältere Tipitaka-Cúlanága die mit dem Stempel der drei Merkmale geprägte Lehrdarlegung vor. Einem gewissen Brahmanen, der zur Seite gestanden und dem Lehrvortrag gelauscht hatte, erschienen da die Daseinsgebilde in ihrer Leerheit. Da war ihm zumute, als wenn er in einen Abgrund stürzte. Er floh durch die offenstehende Tür davon und, zu Hause angelangt, hieß er den Sohn sich bequem niederzulegen und sprach: 'Wenn man die Lehre des Sakyers recht bedenkt, hat das Gelderwerben keinen Sinn mehr!'"

Komm zu Abschn. 19: "'Nicht empfindet der erfahrene, edle Jünger Furcht bei dem Gedanken: «Würde ich nicht gewesen sein...»' - Dies bezieht sich auf starken Klarblick. Nicht empfindet der erfahrene, edle Jünger Furcht, nicht ist ihm so zumute: 'Vernichtet werde ich sein' oder ,Zerstört werde ich sein'. So, vielmehr, denkt er: 'Gestaltungen nur entstehen, Gestaltungen nur vergehen.'"






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