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Samyutta Nikáya IntraText CT - Text |
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S.22.100. Der Lederriemen II (Übers. in Yána 1950, Nr. 13, S. 4; zu Nr. 11 s. S 12 64.)
1. So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sávatthí, im Jeta-Hain, im Kloster des Anáthapindika.
2. Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Ihr Mönche!" - "Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun sprach also:
3. "Unausdenkbaren Anfangs, ihr Mönche, ist dieser Daseinskreislauf. Nicht ist ein Beginn zu erkennen der durch das Nichtwissen gehemmten Wesen, der im Begehren verstrickten, der wandernden, kreisenden.
4. Es ist, ihr Mönche, wie wenn ein Hund mit einem Lederriemen an einen starken Pfosten oder Pfeiler angebunden ist: wenn er geht, so geht er im Bereich eben dieses Pfostens oder Pfeilers; wenn er steht, sitzt, sich niederlegt, so tut er es eben im Bereich dieses Pfostens oder Pfeilers.
5. Ebenso, ihr Mönche, ist es mit einem unerfahrenen Weltmenschen. Der betrachtet die Körperlichkeit in solcher Weise: 'Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst.' Er betrachtet das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das Bewußtsein in solcher Weise: 'Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst.' Wenn er geht, so geht er im Bereich der fünf Gruppen des Anhangens; wenn er steht, so steht er im Bereich der fünf Gruppen des Anhangens; wenn er sitzt, so sitzt er im Bereich der fünf Gruppen des Anhangens; wenn er sich niederlegt, so liegt er im Bereich der fünf Gruppen des Anhangens *f197).
6. Daher, ihr Mönche, soll man häufig den eigenen Geist betrachten. Lange Zeit ward dieser Geist befleckt durch Gier, durch Haß, durch Verblendung. Geistesbefleckung, ihr Mönche, verunreinigt die Wesen, Geistesklärung läutert sie.
7. Habt ihr einmal, o Mönche, ein Gemälde gesehen, das man 'das Wanderbild *f198)' nennt?" - "Ja, o Herr." - "Dieses Gemälde, 'das Wanderbild' mit Namen, aufgrund des Geistes eben, ihr Mönche, ist es in so mannigfaltiger Weise gemalt *f199). Doch, ihr Mönche, mannigfaltiger noch als dieses Gemälde, 'das Wanderbild', ist der Geist.
8. Daher, ihr Mönche, soll man den eigenen Geist häufig so betrachten: 'Lange Zeit ward dieser Geist befleckt durch Gier, durch Haß, durch Verblendung.' Geistesbefleckung, ihr Mönche, verunreinigt die Wesen, Geistesklärung läutert sie.
9. Nicht sehe ich, ihr Mönche, auch nur eine andere Gruppe (von Lebewesen), die mannigfaltiger wäre als die Lebewesen des Tierreiches. Diese Lebewesen des Tierreiches, ihr Mönche, aufgrund des Geistes eben sind sie in so mannigfaltiger Weise gestaltet *f200). Doch, ihr Mönche, mannigfaltiger noch als diese Wesen des Tierreiches ist der Geist.
10. Daher, ihr Mönche, soll man häufig den eigenen Geist so betrachten: 'Lange Zeit ward dieser Geist befleckt durch Gier, durch Haß, durch Verblendung.' Geistesbefleckung, ihr Mönche, verunreinigt die Wesen, Geistesklärung läutert sie.
11. Wie wenn, ihr Mönche, ein Färber oder ein Maler mit Farbe oder Lack, gelb, blau oder rot, auf wohlgeglätteter Holztafel, auf einer Wand oder auf einer Leinwand das Bild einer Frau oder eines Mannes gestalten würde: ebenso, ihr Mönche, läßt der unerfahrene Weltmensch immer wieder eben Körperlichkeit entstehen *f201), läßt er immer wieder eben Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen und Bewußtsein entstehen.
12.-14. Was meint ihr, o Mönche: Ist die Körperlichkeit unvergänglich oder vergänglich? . . . " (wie 59. 13-23)
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*f197) upagacchati, upatitthati...; wörtl.: 'er geht, steht usw. nahebei'. Die freie Wiedergabe von upa mit "im Bereich" wurde gewählt, um in Vergleich und Anwendung, ebenso wie im Páli, das gleiche Wort gebrauchen zu können. Wohl ist nicht nur der "unerfahrene Weltmensch", sondern auch der "erfahrene, edle Jünger", äußerlich betrachtet, "im Bereich" der fünf Gruppen, doch upa muß hier aufgefaßt werden als ein begehrliches Sich-Annähern oder Sich-Anschließen an die fünf Gruppen, als ein Sich-Identifizieren mit ihnen. *f198) Komm,: "Es gibt Brahmanen, die nach einem 'Wanderbild' genannt werden (vicarana-citta), das sie mit sich herumführen. Diese machen ein Bilder-Zelt aus Leinwand und lassen darauf das glückliche Leben auf guten und das unglückliche Leben auf üblen Daseinsfährten malen. Anhand davon erklären sie dann: 'Solche und solche Taten ausübend, erfährt man solches und solches Wirkens-Ergebnis!' Mit diesem Gemälde ziehen sie im Land umher (vicaranti)." *f199) Die Gleichnisse dieser Rede beruhen auf den verschiedenen Bedeutungen des Páli-Wortes citta: 1) skt. citta, Geist; 2) skt. citra, das Mannigfache, Bunte; das Gemälde. - Die aufgrund dieser zwei Bedeutungen mögliche andere Übersetzung der Textstelle (citten'eva cittitam) gibt der Komm. wie folgt: "weil es durch den Maler, nachdem er es sich ausgedacht hat, gemalt wurde" (cittakárena cintetvá katattá). *f200) citten'eva cittitá; Komm.: "Durch das Karma-Bewußtsein (kamma-citten'eva) sind sie mannigfach gestaltet (cittitá). Doch es ist nicht so, daß die jenes Karma-Bewußtsein anhäufenden Wesen (absichtlich) so denken: 'Wir wollen mannigfache Formen annehmen, z.B. als Rebhühner, Wachteln usw'. Vielmehr ihr Wirken (kamma) ist es, das sie zur jeweiligen Geburt führt. Das, was der jeweiligen Geburt zugrunde liegt, ist der Bewußtseins- (oder Geistes-) Zustand (citta-bháva). Denn die zur Geburt gelangten Wesen haben eben einen der jeweiligen Geburt gleichgearteten Geist (citta). Der Bewußtseins-Zustand (citta-bháva) erreicht nämlich in der Geburt seine Erfüllung, und die Geburt hat man als die Erfüllung des Wirkens (kamma) zu verstehen. Ferner ist das, was man Bewußtsein (oder Geist: citta) nennt, eben jene gleichzeitig mit ihm entstandene Vielartigkeit des Wirkens (kamma-nánatta), die hervorgerufen ist durch die Mannigfaltigkeit (cittatá) der gleichzeitig entstandenen geistigen Vorgänge (sahajáta-dhammá), der Daseins-Ebenen (bhúmi), der (materiellen) Grundlagen (vatthu), der Sinnestore (dvára) und der (Bewußtseins-) Objekte (árammana). Wegen der Vielartigkeit des Wirkens und auch wegen des Erzeugens jener vielfältigen Bewußtseins-Zustände, die in der Vielartigkeit des Wirkens wurzeln (nämlich Vielartigkeit der Körperform, der Wahrnehmung, der üblichen Benennung), deswegen hat man den Geist (citta) eben als mannigfaltiger zu verstehen als die Mannigfaltigkeit des Tierreiches." *f201) abhinibbattento abhinibbatteti; dieser Páli-Ausdruck mag gewählt worden sein, um auf abhinibbatti, 'Wiedergeburt', anzuspielen. |
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