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Das Zeugnis der christlichen Ehe
40. Die in
verschiedenen Ländern mit christlicher Tradition gestarteten Initiativen
zur Änderung der Gesetzgebung zugunsten der faktischen
Lebensgemeinschaften bereiten Hirten und Gläubigen große Sorgen. Oft
hat es den Anschein, daß sie nicht wissen, wie sie diesem Phänomen
begegnen sollen, und daß sie nur passiv reagieren. Damit erwecken sie
jedoch den Eindruck, die Kirche wolle einfach nur den Status quo bewahren, als
ob die in der Ehe begründete Familie (ein „herkömmliches“ Modell) das
Kulturmodell der Kirche wäre, das man trotz der großen Veränderungen
in unserer Epoche bewahren will.
Zur Auseinandersetzung mit dieser Situation empfiehlt es sich, die positiven
Aspekte der ehelichen Liebe zu vertiefen, um auch hier die Wahrheit des
Evangeliums im Stile der Christen der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung
inkulturieren zu können. Diese Neuevangelisierung der Familie richtet sich
vor allem an die christlichen Familien, die als Adressaten der Evangelisierung
selbst die ersten Evangelisierer sind und die „gute Nachricht“ von der
„geschwisterlichen Liebe“95 nicht nur in Worten, sondern auch und vor
allem durch ihr persönliches Zeugnis verkünden. Der Wert
dieses sozialen Wunderwerks, das die eheliche Liebe ist, muß dringend
wieder erkannt werden, denn das Phänomen der faktischen
Lebensgemeinschaften hängt mit ideologischen Faktoren zusammen, die es
verdunkeln und die von einem irrigen Verständnis der menschlichen Sexualität
und der Mann-Frau-Beziehung herrühren. Von daher erklärt sich die
ursprüngliche Bedeutung des Gnadenlebens der christlichen Ehen in
Christus: „Auch die christliche Familie gehört zur Kirche, zum
priesterlichen Volk. Durch das Ehesakrament, in dem sie gründet und aus dem
sie ihre Kraft schöpft, wird sie dauernd von Jesus, dem Herrn, belebt und
zum Dialog mit Gott berufen und verpflichtet, zum Dialog durch das sakramentale
Leben, durch den Einsatz der eigenen Existenz und durch das Gebet. Das ist die
priesterliche Aufgabe, welche die christliche Familie in tiefster Verbundenheit
mit der ganzen Kirche durch den Alltag des Ehe- und Familienlebens
verwirklichen kann und muß; so ist sie berufen, sich selbst sowie die
kirchliche Gemeinschaft und die Welt zu heiligen“.96
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