|
Schluß
50. Die Weisheit der Nationen hat in den vergangenen Jahrhunderten
trotz einiger Beschränkungen hier und da die Existenz und fundamentale und
unersetzliche Sendung der in der Ehe begründeten Familie anerkannt. Die
Familie ist ein für die ganze Gesellschaft notwendiges und unersetzliches
Gut. Sie muß von der ganzen Gesellschaft rechtlich anerkannt, geschützt
und gefördert werden. Denn es schadet der ganzen Gesellschaft, wenn man
dieses für die Gesellschaft wertvolle und notwendige Gut irgendwie gefährdet.
Gegenüber dem Phänomen faktischer Lebensgemeinschaften und der damit
verbundenen Zurücksetzung der ehelichen Liebe darf die Gesellschaft nicht
gleichgültig bleiben. Die Anerkennung der faktischen Lebensgemeinschaften
ist die falsche Lösung und stellt bloß eine einfache Unterdrückung
des Problems dar. Damit werden sie nur öffentlich mit den in der Ehe begründeten
Familien auf eine Stufe gestellt oder ihnen gleich gestellt. Das ist nicht nur
vergleichsweise eine Benachteiligung der Ehe (und nicht zuletzt ein Angriff auf
die Familie, auf jene natürliche und notwendige Institution, die heute
vielmehr wahrer familienpolitischer Maßnahmen bedürfte). Es läßt
vielmehr auf eine tiefe Fehlkenntnis der anthropologischen Wahrheit der
menschlichen Liebe von Mann und Frau und des damit untrennbar verbundenen
Aspekts einer festen und für das Leben offenen Gemeinschaft schließen.
Diese Fehlkenntnis ist um so schwerwiegender, wenn man den wesentlichen und
tiefen Unterschied zwischen der der Ehe als Institution entspringenden
ehelichen Liebe und homosexuellen Beziehungen ignoriert. Die „Gleichgültigkeit“
der öffentlichen Behörden in diesem Punkt ähnelt der Apathie
gegenüber dem Leben oder dem Tod der Gesellschaft, gegenüber ihre
Projektion auf die Zukunft hin oder ihren Verfall. Werden keine angemessenen Maßnahmen
ergriffen, droht diese „Neutralität“ zu einer Beschädigung des
sozialen Netzes und der Pädagogik der zukünftigen Generationen zu führen.
Die unzureichende Wertschätzung der ehelichen Liebe und ihrer naturgemäßen
Offenheit für das Leben mit der daraus folgenden Unbeständigkeit im
Familienleben ist ein gesellschaftliches Phänomen, das eine angemessene
Beurteilung von seiten aller erforderlich macht, denen es um das Wohl der
Familie geht. Dies gilt insbesondere für die Christen. Es geht vor allem
um die Erkenntnis der eigentlichen (ideologischen und finanziellen) Gründe
einer solchen Lage der Dinge und nicht um die Erfüllung demagogischer
Forderungen von Pressure-groups, die nicht dem Gemeinwohl der Gesellschaft
Rechnung tragen. Für die katholische Kirche sind die Familie und die
eheliche Liebe in der Nachfolge Christi ein Geschenk der Gemeinschaft des
Gottes der Barmherzigkeit mit der Menschheit, ein wertvoller Schatz der
Heiligkeit und der Gnade, die in der Welt aufleuchtet. Deshalb lädt sie
alle ein, die für die Sache des Menschen kämpfen, sich ihren Bemühungen
zur Förderung der Familie und ihrer innigsten Lebensquelle, welche die
Ehegemeinschaft ist, anzuschließen.
|