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Einleitung
1. Die sogenannten „faktischen Lebensgemeinschaften“ haben in
den letzten Jahren in der Gesellschaft eine immer größere Bedeutung
gewonnen. Initiativen fordern ihre institutionelle Anerkennung, ja sogar ihre
Gleichstellung mit aus der Ehe hervorgegangen Familien. Angesichts einer so
ernsten Frage, die sich auf die Zukunft der ganzen Menschheitsfamilie auswirken
wird, möchte der Päpstliche Rat für die Familie mit Hilfe der
folgenden Überlegungen auf die Gefahren einer solchen Anerkennung und
Gleichstellung für die Identität der ehelichen Verbindung sowie auf
den dadurch entstehenden großen Schaden für die Familie und für
das Gemeinwohl aufmerksam machen.
Nach einer Untersuchung der sozialen Aspekte der faktischen
Lebensgemeinschaften, der konstitutiven Elemente und existentiellen Beweggründe
setzt sich das vorliegende Dokument mit der Frage ihrer rechtlichen Anerkennung
und Gleichstellung vor dem Hintergrund der in der Ehe begründeten Familie
und der Gesellschaft als ganze auseinander. Danach befaßt es sich mit der
Familie als Gut der Gesellschaft. Der Text betont in diesem Zusammenhang die zu
fördernden objektiven Werte und die Rechtspflicht der Gesellschaft, die in
der Ehe begründete Familie zu schützen und zu fördern. Danach erörtert
es eingehender einige Aspekte der Forderungen nach einer Gleichstellung mit der
Ehe. Schließlich legt es allgemeine Unterscheidungskriterien für die
Pastoral vor, die den christlichen Gemeinschaften zur Orientierung dienen
sollen.
Die folgenden Ausführungen sind nicht nur an die gerichtet, die in der
katholischen Kirche die „Kirche des lebendigen Gottes“ erkennen, „die die Säule
und das Fundament der Wahrheit ist“ (1 Tim 3,15), sondern auch an die
Christen der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sowie an alle, die
sich aufrichtig für dieses kostbare Gut, nämlich die Familie, die
Grundzelle der Gesellschaft, einsetzen. Denn wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, „ist das Wohl der Person
sowie der menschlichen und christlichen Gesellschaft zuinnerst mit einem
Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden. Darum begrüßen
die Christen zusammen mit allen, welche diese Gemeinschaft hochschätzen,
aufrichtig all die verschiedenen Hilfen, mittels derer man heute in der Förderung
dieser Gemeinschaft der Liebe und im Schutz des Lebens vorwärtskommt und
Gatten und Eltern bei ihrer großen Aufgabe unterstützt
werden“.1
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