5. Einige
faktische Lebensgemeinschaften sind eindeutig das Ergebnis einer ganz konkreten
Entscheidung. Eine faktische Lebensgemeinschaft „auf Probe“ liegt häufig
dann vor, wenn zwei Menschen zwar eine zukünftige Eheschließung
beabsichtigen, sie aber von der Erfahrung einer Lebensgemeinschaft ohne
eheliche Verpflichtung abhängig machen. Sie ist somit in gewisser Weise
eine „Vorbedingung“ für die Ehe, vergleichbar mit einer „Ehe auf
Probe“4. Aber im Unterschied zur Ehe auf Probe strebt sie nach einer
bestimmten sozialen Anerkennung.
Manche leben einfach zusammen und rechtfertigen ihre Entscheidung mit
wirtschaftlichen Gründen, oder sie sagen, sie würden so
Schwierigkeiten mit dem Gesetz aus dem Weg gehen. Doch nur allzuoft liegen die
eigentlichen Gründe viel tiefer. Nicht selten verbirgt sich hinter diesen
Vorwänden eine Einstellung, die der Sexualität nicht den richtigen
Wert beimißt. Diese Mentalität ist von Pragmatismus, Hedonismus und
von einem Liebesbegriff geprägt, der nicht die Übernahme von
Verantwortung einschließt. Dadurch entgeht man der Verpflichtung zur Beständigkeit,
der Übernahme von Verantwortung, Rechten, Pflichten, die mit echter
ehelicher Liebe verbunden sind.
In anderen Fällen gehen Geschiedene solche faktischen
Lebensgemeinschaften ein. Sie sind also eine Alternative zur Ehe. Dadurch daß
die Gesetzgebung die Scheidung leicht macht, verliert die Ehe im Bewußtsein
der einzelnen tendenziell ihre Identität. In diesem Zusammenhang ist zu
betonen, daß der Vertrauensverlust in die Ehe als Institution auch aus
negativen und traumatischen Erfahrungen einer vorherigen Scheidung oder einer
Scheidung der Eltern herrühren kann. Dieses besorgniserregende Phänomen
ist in den wirtschaftlich entwickelteren Ländern ziemlich geläufig.
Wer in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammenlebt, äußert
nicht selten ohne Umschweife seine Ablehnung der Ehe aus ideologischen Gründen.
In diesem Fall handelt es sich um die Entscheidung für eine Alternative,
um eine ganz bestimmte Weise, Sexualität zu leben. Solche Menschen halten
die Ehe für inakzeptabel, weil sie ihrer Ideologie widerspreche und
gleichsam eine unzumutbare „Verletzung ihres persönlichen Wohlbefindens“
oder sogar das „Grab der Liebe“ darstelle. Alle diese Ausdrücke deuten hin
auf eine Unkenntnis der wahren Natur der menschlichen Liebe, ihrer
Selbstlosigkeit, Erhabenheit und Schönheit in der Beständigkeit und
Treue der menschlichen Beziehungen.
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