|
EINLEITUNG
1.
Die Vorbereitung auf die Ehe, auf das Ehe- und Familienleben, ist für das Wohl
der Kirche von besonderer Bedeutung, da das Sakrament der Ehe für die ganze
christliche Gemeinschaft einen groben Wert darstellt. Dies gilt an erster Stelle
für die Gatten, deren Entscheidung derart ist, dab sie weder unvorbereitet noch
überhastet getroffen werden darf. In anderen Epochen konnte diese Vorbereitung
auf die Unterstützung der Gesellschaft zählen, welche die Werte und Güter der
Ehe anerkannte. Die Kirche verteidigte ohne Bedenken und vorbehaltlos die
Heiligkeit der Ehe und war sich der Tatsache bewubt, dab das Sakrament der Ehe
als Lebenszelle des Volkes Gottes für die Kirche selbst eine Garantie
darstellt. Im Innern der Kirche, zumindest in den wirklich evangelisierten
Gemeinschaften, war die Unterstützung für die Ehe entschlossen, einheitlich und
geschlossen. Getrennte und gescheiterte Ehen waren selten, und die Ehescheidung
wurde als gesellschaftliches »Übel« betrachtet (vgl. Gaudium et spes =
GS 47).
Heute
steht man dagegen in nicht wenigen Fällen vor einem einschneidenden Verfall der
Familie und vor einer gewissen Zersetzung der Werte der Ehe. In vielen
Nationen, vor allem in den Industrieländern, ist die Zahl der Eheschliebungen
zurückgegangen. Man verschiebt die Eheschliebung heute gewöhnlich auf einen
späteren Zeitpunkt, und die Zahl der Ehescheidungen und Trennungen — dazu kommt
es oft schon in den ersten Jahren des Ehelebens — steigt. Aufgrund dieser
Umstände nehmen die Sorgen in der Pastoral zu, und immer wieder stellt man sich
die Frage: Ist derjenige, der heute den Bund der Ehe eingeht, wirklich darauf
vorbereitet? Die Frage der Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe und auf das
dann folgende gemeinsame Leben erscheint wie eine grobe pastorale Notwendigkeit
— zwar in erster Linie zum Wohl der Gatten, aber auch zum Wohl der ganzen
christlichen Gemeinschaft und der Gesellschaft. Deshalb nehmen das Interesse
und die Initiativen überall zu, um auf die mit der Vorbereitung auf das
Sakrament der Ehe verbundenen Fragen entsprechende und angemessene Antworten zu
geben.
|