17.
Wie
die Erfahrung vieler Hirten und Erzieher lehrt, kann die Verlobungszeit eine
Zeit des gegenseitigen Kennenlernens sein, aber auch der Vertiefung des
Glaubens und daher eine Zeit von besonderen übernatürlichen Gaben für eine
persönliche und zwischenmenschliche Spiritualität; leider kann der
unverantwortliche Umgang mit der Sexualität, der nicht zur Reifung in der
bräutlichen Liebe beiträgt, bei vielen das menschliche und christliche
Heranreifen, für das diese Zeit bestimmt ist, beeinträchtigen. Und so kommt es,
dab manchmal sogar eine gewisse Apologie der vorehelichen Beziehungen betrieben
wird.
Ob bei
den Verlobten die Vertiefung im Glauben glückt und gelingt, hängt auch mit
ihrer Vorbildung zusammen. Andererseits hat die Art und Weise, wie diese Zeit
gelebt wird, sicherlich einen Einflub auf das zukünftige Ehe- und Familienleben.
Von daher ist die Hilfe, die die jeweiligen Familien und die ganze Gemeinschaft
der Kirche den Verlobten anbieten, von entscheidender Bedeutung. Diese besteht
nämlich auch im Gebet; von Bedeutung ist in dieser Hinsicht auch der im
Benediktionale (De benedictionibus, Nr. 195-214) vorgesehene Segen über
die Verlobten, worin auch an die Zeichen dieser anfänglichen Verpflichtung
erinnert wird: den Ring, die gegenseitigen Geschenke oder andere Gebräuche (Nr.
209-210). Man mub jedenfalls die menschliche Dimension der Verlobung anerkennen
und sie von jeder Banalisierung befreien.
Der Grund
für die Notwendigkeit einer besonders gründlichen Vorbereitung liegt sowohl im Wert
der Ehe und des Ehesakraments als auch in der entscheidenden Bedeutung
der Verlobungszeit. Letztere wird heute leider oft über mehrere Jahre
hingezogen, was mit den Schwierigkeiten verschiedener Art verbunden ist, die
eine derartige Situation mit sich bringt.
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