23.
Im
Brief an die Familien Gratissimam sane erinnert der Papst an zwei
Grundwahrheiten der Erziehung: »Die erste ist, dab der Mensch zum Leben in der
Wahrheit und in der Liebe berufen ist; die zweite Grundwahrheit besagt, dab
sich jeder Mensch durch die aufrichtige Hingabe seiner Selbst verwirklicht«
(Nr. 16). Die Kindererziehung beginnt demzufolge schon vor der Geburt, in dem
Umfeld, in dem das neue Leben des Ungeborenen erwartet und angenommen wird, und
zwar insbesondere im Dialog der Liebe der Mutter mit der Frucht ihres Leibes
(vgl. ebd. 16), und setzt sich in der frühen Kindheit fort, da die
Erziehung »eine "Beschenkung" mit Menschlichkeit seitens beider
Elternteile [ist]. Sie vermitteln gemeinsam ihre reife Menschlichkeit an
das Neugeborene« (ebd.). »Bei der Zeugung eines neuen Lebens werden die
Eltern gewahr, dab ihr Kind, "wenn es Frucht ihrer gegenseitigen Schenkung
aus Liebe ist, seinerseits ein Geschenk für beide ist: eine Gabe, die der Gabe
entspringt"« (EV 92).
Die
christliche Erziehung in ihrer ganzen Bedeutung, die die Weitergabe und
Verwurzelung der menschlichen und christlichen Werte einschliebt, »erstrebt —
wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt — nicht nur die eben umrissene Reifung
der menschlichen Person, sondern zielt hauptsächlich darauf ab, dab die
Getauften, indem sie allmählich in das Heilsmysterium eingeführt werden, der
empfangenen Gabe des Glaubens immer mehr bewubt werden (...) und ihr eigenes
Leben nach dem neuen Menschen in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit (vgl. Eph
4, 22-24) gestalten« (Gravissimum educationis, 2).
|