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Ioannes Paulus PP. II
Tertio millennio adveniente

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  • I. "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute ..." (Hebr 13,8)
    • 6
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6. Jesus wurde aus dem auserwählten Volk geboren, in Erfüllung der an Abraham ergangenen und von den Propheten immer wieder in Erinnerung gebrachten Verheißung. Diese sprachen jedoch im Namen und an Stelle Gottes. Denn der Heilsplan des Alten Testamentes ist im wesentlichen darauf ausgerichtet, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und seines messianischen Reiches vorzubereiten und anzukündigen. Die Bücher des Alten Bundes sind somit bleibende Zeugen einer sorgfältigen göttlichen Pädagogik. 8 In Christus erreicht diese Pädagogik ihr Ziel: Denn er beschränkt sich nicht darauf, "im Namen Gottes" zu reden wie die Propheten, sondern er ist Gott selbst, der in seinem ewigen Wort, das Fleisch geworden ist, spricht. Wir berühren hier den wesentlichen Punkt, durch den sich das Christentum von allen anderen Religionen unterscheidet, in welchen von Anfang an die Suche nach Gott von seiten des Menschen Ausdruck fand. Im Christentum geht der Anstoß von der Fleischwerdung des Wortes aus. Hier sucht nicht mehr nur der Mensch Gott, sondern Gott kommt in Person, um zum Menschen über sich zu sprechen und ihm den Weg zu zeigen, auf dem er ihn erreichen kann. Genauso wie es der Prolog des Johannesevangeliums verkündet: "Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht" (1,18). Das fleischgewordene Wort ist also die Erfüllung der in allen Religionen der Menschheit vorhandenen Sehnsucht: diese Erfüllung ist Gottes Werk und übersteigt jede menschliche Erwartung. Sie ist Gnadengeheimnis. In Christus ist die Religion nicht mehr ein "tastendes Suchen" (vgl. Apg 17,27), sondern Glaubensantwort an Gott, der sich offenbart: Antwort, in welcher der Mensch zu Gott als seinem Schöpfer und Vater spricht; Antwort, die von jenem einzigen Menschen ermöglicht wurde, der zugleich das Wort, eines Wesens mit dem Vater, ist, in dem Gott zu jedem Menschen spricht und jeder Mensch dazu befähigt wird, Gott zu antworten. Mehr noch, in diesem Menschen antwortet die ganze Schöpfung Gott. Jesus Christus ist der Neuanfang von allem: alles findet sich in ihm wieder, wird aufgenommen und dem Schöpfer zurückgegeben, von dem es seinen Ausgang genommen hat. Auf diese Weise ist Christus die Erfüllung der Sehnsucht aller Religionen der Welt und eben deshalb deren einziger und endgültiger Hafen. Wenn einerseits Gott in Christus über sich zur Menschheit spricht, so sprechen andererseits in demselben Christus die gesamte Menschheit und die ganze Schöpfung über sich zu Gott - ja, sie geben sich Gott hin. So kehrt alles zu seinem Anfang zurück. Jesus Christus ist die Wiederherstellung von allem (vgl. Eph 1,10) und zugleich die Vollendung aller Dinge in Gott: Vollendung, die Gottes Herrlichkeit ist. Die auf Jesus Christus gegründete Religion ist die Religion der Herrlichkeit, sie ist ein Sein in einem neuen Leben "zum Lob der Herrlichkeit" (Eph 1,12). Die ganze Schöpfung ist in Wirklichkeit eine Offenbarung seiner Herrlichkeit; besonders der Mensch (vivens homo) ist das Sichtbarwerden der Herrlichkeit Gottes, berufen, aus der Fülle des Lebens in Gott zu leben.




8 Vgl. II.Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 15.




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