27. Es fiele einem schwer, nicht hervorzuheben, daß
das Marianische Jahr den Ereignissen des Jahres 1989 unmittelbar vorausgegangen
ist. Es sind Geschehnisse, die uns wegen ihres Umfanges und besonders wegen
ihres raschen Ablaufes in Erstaunen versetzen müssen. Die achtziger Jahre
hatten sich in Nachahmung des "kalten Krieges" mit einer wachsenden
Gefahr beladen; das Jahr 1989 hat eine friedliche Lösung mit sich
gebracht, die gleichsam die Gestalt einer "organischen" Entwicklung
hatte. In ihrem Licht fühlt man sich veranlaßt, der Enzyklika Rerum
novarum eine geradezu prophetische Bedeutung zuzuerkennen: Was Papst Leo XIII.
dort über den Kommunismus schreibt, findet in diesen Ereignissen einen
genauen Beweis, wie ich in der Enzyklika Centesimus annus12 betont
habe. Im übrigen konnte man feststellen, daß in dem Strom der
Ereignisse die unsichtbare Hand der Vorsehung mit mütterlicher Sorge am
Werke war: "Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen ...?" (Jes
49,15). Nach 1989 sind jedoch neue Gefahren und neue Bedrohungen aufgetaucht.
In den Ländern des ehemaligen Ostblocks ist nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus die ernsthafte Gefahr der Nationalismen zutage getreten, wie leider
die Vorgänge auf dem Balkan und in anderen, benachbarten Gebieten zeigen.
Das zwingt die europäischen Nationen zu einer ernsthaften
Gewissensprüfung, in Anerkennung von Schuld und Irrtümern, die im
Laufe der Geschichte auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet gegenüber
Nationen begangen worden sind, deren Rechte von den imperialistischen Systemen
des vorigen wie des jetzigen Jahrhunderts systematisch verletzt worden sind.
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