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a) In der Kirche und der Welt, für
die Kirche und die Welt
Jede Berufung entsteht an einem bestimmten
Ort, in einem konkreten Umfeld, doch beschränkt sie sich nicht auf sich
selbst, noch zielt sie auf die private Vollkommenheit oder die psychologische
oder geistige Selbstverwirklichung des Berufenen ab, denn sie erblüht
innerhalb der Kirche, in jener Kirche, die durch die Welt unterwegs ist zum
vollendeten Reich, zur Verwirklichung einer Geschichte, die groß ist,
weil sie Heilsgeschichte ist.
Die kirchliche Gemeinschaft selbst hat eine
zutiefst berufungsbezogene Struktur: sie ist gerufen für die Sendung; sie
ist Zeichen für Christus, den Gesandten des Vaters. Wie Lumen Gentium
sagt: sie ist »in Christus gleichsam das Sakrament, das heibt Zeichen und
Werkzeug sowohl für die innigste Vereinigung mit Gott, als auch für
die Einheit der ganzen Menschheit«.(40)
Einerseits ist die Kirche Zeichen, das das
Geheimnis Gottes widerspiegelt; sie ist Ikone, die auf die dreifaltige
Gemeinschaft im Zeichen der sichtbaren Gemeinschaft und auf das Geheimnis
Christi in der Dynamik der universalen Sendung verweist. Andererseits ist die
Kirche eingebunden in die Zeit der Menschen, sie lebt in der Geschichte in
einer Situation des Exodus, sie steht in der Sendung zum Dienst am Reich, um
die Menschheit zur Gemeinschaft der Kinder Gottes umzugestalten.
So verlangt der Blick auf die Geschichte von
der kirchlichen Gemeinschaft, sich hörbereit zu machen für die
Erwartungen der Menschen; jene Zeichen der Zeit zu lesen, die der
Schlüssel und die Sprache des Heiligen Geistes sind; in ein fruchtbares,
kritisches Gespräch mit der Gegenwart einzutreten und Traditionen und
Kulturen mit Wohlwollen aufzunehmen, um in ihnen das Bild des Reiches sichtbar
zu machen und den Sauerteig des Evangeliums einzubringen.
So verflicht sich die kleine grobe
Geschichte einer jeden Berufung mit der Geschichte der Kirche in der Welt. Wie
jede Berufung in der Kirche und in der Welt entstand, so steht sie auch im
Dienst der Kirche und der Welt.
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