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b) Die Kirche, Gemeinschaft und communio
von Berufungen
In der Kirche, die Gemeinschaft von Gaben
für eine einzige Sendung ist, vollzieht sich auch jener Übergang vom
Zustand, in dem sich der durch die Taufe in Christus eingebundene Gläubige
befindet, zu seiner »besonderen« Berufung als einer Antwort auf die besondere
Gabe des Geistes. In dieser Gemeinschaft ist jede Berufung »eine besondere« und
findet in einem Lebensplan zu ihrer eigenen Gestalt; es gibt keine allgemeinen
Berufungen.
In ihrer Besonderheit ist jede Berufung
gleichzeitig »notwendig« und »relativ«. »Notwendig«, weil Christus lebt und
sichtbar wird in seinem Leib, der die Kirche ist, und im Jünger, der ihr
wesentlicher Teil ist; »relativ«, weil keine Berufung das zeichenhafte Zeugnis
des Geheimnisses Christi voll ausschöpfen kann, sondern lediglich einen
Teil davon zum Ausdruck bringt. Nur die Gesamtheit der Gaben macht den ganzen
Leib des Herrn sichtbar. In einem Gebäude braucht jeder Stein den anderen
(1 Petr 2,5); im Leib bedarf jedes Glied des anderen, um den gesamten
Organismus wachsen zu lassen, zum Nutzen des Ganzen (1 Kor 12,7).
Dies verlangt, daß das Leben eines
jeden von Gott her geplant wird, der sein einziger Ursprung ist und alles zum
Wohl des Ganzen einrichtet; dies verlangt, dab das Leben nur dann als
sinntragend wiederentdeckt wird, wenn es für die Nachfolge Jesu offen ist.
Doch ist es ebenfalls wichtig, dab es eine
kirchliche Gemeinschaft gibt, die tatsächlich jedem Berufenen hilft, die
eigene Berufung zu erkennen. Ein Klima des Glaubens, des Gebets, der
Gemeinschaft in Liebe, der geistlichen Reife, des Mutes zur Verkündigung,
des intensiven sakramentalen Lebens, macht aus der glaubenden Gemeinschaft
einen fruchtbaren Boden nicht nur für das Keimen neuer, besonderer
Berufungen, sondern für die Schaffung einer berufungsfreundlichen Kultur
und einer Bereitschaft in jedem einzelnen, seinen persönlichen Ruf
anzunehmen. Wenn ein Jugendlicher den Anruf spürt und in seinem Herzen
sich entscheidet, die heilige Reise zu dessen Verwirklichung anzutreten, so ist
dort gewöhnlich auch eine Gemeinschaft, die die Voraussetzungen für
diese hörende Verfügungsbereitschaft geschaffen hat.(41)
Das bedeutet: die auf die Berufung
ausgerichtete Treue einer gläubigen Gemeinschaft ist die erste und
grundlegende Voraussetzung für das Aufblühen der Berufung in den
einzelnen Gläubigen, vor allem in den Jugendlichen.
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