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a) Die Berufungspastoral ist die
ursprüngliche Leitidee der allgemeinen Pastoral
Das Instrumentum laboris des Kongresses über die Berufungen sagt
ausdrücklich: »Die gesamte Pastoral und besonders die Jugendpastoral ist
von ihrem Ursprung her berufungsorientiert«;(69) mit anderen Worten:
wer Berufung sagt, der meint die konstitutive und wesentliche Dimension der
ordentlichen Pastoral selbst, denn die Pastoral ist von Anfang an, von Natur
aus, auf die Erkennung der Berufung ausgerichtet. Es ist dies ein Dienst, der
jeder Person angeboten wird, damit sie ihren Weg zur Verwirklichung eines
Lebensplanes finde, wie Gott ihn will, je nach den Bedürfnissen der Kirche
und der heutigen Welt.(70)
Dies wurde bereits im Jahre 1994 auf dem
lateinamerikanischen Kongreß über die Berufungen festgestellt.
Doch die Sicht weitet sich: Berufung meint
nicht nur die Gestaltung eines Lebensentwurfs, sondern auch alle übrigen
Anrufe Gottes während des Lebens sind Berufung, freilich immer bezogen auf
einen grundlegenden Lebensplan. Die echte Berufungspastoral macht den
Gläubigen wachsam und aufmerksam für die vielen Anrufe Gottes und
macht ihn bereit, dessen Stimme zu vernehmen und Ihm zu antworten.
Es ist gerade die Treue zu dieser Art von
täglichem Angerufensein, welche den Jugendlichen von heute befähigt,
»die Berufung« seines Lebens zu erkennen und anzunehmen, und die den
Erwachsenen von morgen befähigt, ihr nicht nur treu zu sein, sondern ihre
Frische und Schönheit immer mehr zu entdecken. Eine jede Berufung ist
tatsächlich eine Berufung »in der Morgenstunde«, ist die Antwort eines
jeden Morgens auf einen täglich neuen Anruf.
Darum wird die Pastoral durch und durch
hellhörig sein für die Berufung, um sie in jedem Gläubigen zu
entdecken; sie wird dabei vom ausdrücklichen Vorsatz ausgehen, den
Gläubigen mit dem Plan Gottes zu konfrontieren; sie wird im Betroffenen
Übernahme von Verantwortung gegen-über der empfangenen Gabe oder dem
vernommenen Wort Gottes wecken; sie wird letztlich sich bemühen, den
Glaubenden dazu zu führen, sich von diesem Gott in Pflicht nehmen zu
lassen.(71)
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