|
b) Die Berufung der Pastoral heute ist
die Berufungspastoral
In diesem Sinne kann man gut sagen, dab
die gesamte Pastoral »berufungsorientiert« werden mub, oder dab dafür zu sorgen ist, dab jede Äuberung
der Pastoral klar und eindeutig einen Plan oder eine Gabe Gottes an einen
Menschen zum Ausdruck bringt und in dieser Person den Willen zur Antwort und
zum persönlichen Engagement weckt. Entweder führt die christliche
Pastoral zu dieser Gegenüberstellung vor Gott mit allem, was dies mit sich
bringt an Spannungen, Kämpfen, an gelegentlicher Flucht oder Verweigerung,
aber auch an Friede und Freude, die mit der Annahme der Gabe verbunden sind, —
oder sie verdient diesen Namen nicht.
Heute zeigt sich dies ganz besonders, so dab
man geradezu behaupten kann, dab die Berufspastoral die Berufung der Pastoral
ist: sie ist wohl deren erstes Ziel und ist wie eine Herausforderung der
Kirchen Europas. Die Berufung ist der Ernstfall der heutigen Pastoral.
Wenn jedoch die Pastoral im allgemeinen
»Ruf« ist und Erwartung, dann mub sie heute angesichts dieser Herausforderung
mutiger und freimütiger werden, unmittelbarer in die Mitte und ins Herz
der einladenden Botschaft vorstoben, direkter auf die Person bezogen sein und
weniger auf die Gruppe; sie mub verstärkt ein konkretes Betroffensein
auslösen und darf weniger allgemeine Hinweise auf einen abstrakten,
lebensfremden Glauben geben.
Womöglich muß sie auch eher
provozieren, als trösten; auf jeden Fall sollte sie fähig sein, den
dramatischen Sinn des Menschenlebens zu vermitteln, das dazu bestimmt ist,
etwas zu vollbringen, was kein anderer statt seiner vollbringen kann.
In der Schriftstelle, die wir zitiert haben,
wird diese Wachheit und Spannung evident: in der Wahl des Matthias; in der
mutigen Rede des Petrus an die Menge (»er trat auf ... und erhob seine
Stimme«); in der Art und Weise, wie die christliche Botschaft verkündet
und angenommen wurde (»sie fühlten sich ins Herz getroffen«).
Besonders deutlich wird dies auch durch ihre
Fähigkeit, das Leben jener zu verändern, denen sie eigen ist, wie aus
den Bekehrungen und aus dem Lebensstil der Gemeinschaft der Apostelgeschichte
ersichtlich ist.
|