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c) Die Berufungspastoral geschieht
stufenweise und ganzheitlich
Wir haben indirekt bereits gesehen, dab sich
im Verlauf eines Menschenlebens vielerlei Formen von Anrufen ereignen: vor
allem zum Leben, dann zur Liebe, zur Verantwortlichkeit für die Gaben, zum
Glauben, zur Nachfolge Jesu, zum besonderen Zeugnis des eigenen Glaubens, zur
Vateroder Mutterschaft, zu einem besonderen Dienst für die Kirche oder
für die Gesellschaft.
Wer sich in erster Linie jenen reichen,
vielfältigen Schatz menschlicher und christlicher Werte und Sinngehalte
vor Augen hält, in denen der Sinn für die Berufung des Lebens und der
Menschen gründet, der animiert bereits für eine Berufung. Diese Werte
machen es möglich, das Leben selbst für die vielfachen
Möglichkeiten einer Berufung zu öffnen, die dann in die eine,
persönliche und endgültige Berufung einmünden.
Mit anderen Worten: für eine
korrekte Berufspastoral ist es unerläblich, eine gewisse Stufung zu beachten und ausgehend von den fundamentalen und
universalen Werten (das höchste Gut des Lebens) und von jenen Wahrheiten,
die für alle gleich sind (das Leben ist ein empfangenes Gut und will von
Natur aus ein Gut sein, das weitergeschenkt wird), zu einer zunehmend
persönlicheren und konkreteren, gläubigen und geoffenbarten
Klärung der Berufung zu gelangen.
Auf der rein pädagogischen Ebene ist es
zunächst wichtig, zum Sinn des Lebens und zur Dankbarkeit
dafür zu erziehen, um dann jenes grundlegende Bewubtsein der Verantwortung
gegenüber der Existenz zu vermitteln. Dieses verlangt von sich heraus nach
einer konsequenten Antwort seitens des einzelnen im Sinne der selbstlosen
Hingabe. Von hier aus gelangt man zur Transzendenz Gottes, des
Schöpfers und Vaters.
Nur an dieser Stelle ist eine so starke und
radikale Einladung (die christliche Berufung hat immer so zu sein) möglich
und überzeugend, wie die Hingabe an Gott in einem priesterlichen oder
geweihten Leben sie darstellt.
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