|
g) Die Berufungspastoral ist die
ganzheitlich-synthetische Perspektive der Pastoral
Ausgangs- und Zielpunkt entsprechen sich Die
Berufspastoral als solche versteht sich als die verbindende Perspektive der
Pastoral insgesamt, als das natürliche Ziel jeder Mühe, als Zielpunkt
der verschiedenen Bereiche, gleichsam als Testfall der echten Pastoral.
Wir wiederholen: wenn die Pastoral es nicht
fertigbringt, »das Herz zu durchdringen« und den Hörer mit der
entscheidenden Frage zu konfrontieren (»was mub ich tun?«), dann ist sie keine
christliche Pastoral, sondern eine harmlose Arbeitshypothese.
Folglich steht die Pastoral notwendigerweise
in Beziehung zu allen anderen Dimensionen, wie z.B. zur Pastoral der Familie,
der Kultur, der Liturgie und der Sakramente, der Katechese und des
Glaubensweges im Katechumenat, der verschiedenen Gruppen christlicher Animation
und Bildung (nicht nur mit Jugendlichen, sondern auch mit Eltern, Verlobten,
Kranken und Alten...) und der Bewegungen (von der Bewegung für das Leben
bis zu den unterschiedlichen Initiativen der sozialen Solidarität).(75)
Vor allem ist die Berufungspastoral die
verbindende Perspektive der Jugendpastoral.
Es darf nicht vergessen werden, dab es im
Entwicklungsalter um den Lebensentwurf geht. Eine echte Jugendpastoral kann die
Frage der Berufung nicht ausklammern, vielmehr mub sie diese aufgreifen, denn
Jesus Christus anbieten bedeutet, ein bestimmtes Lebensziel anzubieten.
Hier beginnt ein fruchtbares pastorales
Zusammenwirken bei klarer Unterscheidung der beiden Bereiche: sei es weil die
Jugendpastoral neben der Berufsfrage noch andere Fragen beinhaltet; sei es weil
die Berufungspastoral sich nicht nur an die Jugend wendet, sondern einen
weiteren Horizont hat, mit ganz besonderen Fragestellungen.
Denken wir dann noch daran, wie wichtig
eine familienbezogene Berufspastoral
sein könnte, die schrittweise die Eltern dazu erzieht, die ersten
Animatoren-Erzieher auf Berufung hin zu sein; oder wie wertvoll eine
Berufspastoral unter den Kranken sein könnte, die diese nicht nur
einlädt, ihre Leiden für die Priesterberufe aufzuopfern, sondern die
ihnen hilft, das Ereignis ihrer Krankheit mit dem ganzen Gehalt an Geheimnis,
das sie in sich birgt, als eine persönliche Berufung zu leben, die in der
Kirche zu leben ihre Pflicht ist, wobei sie auch einen Anspruch darauf haben,
dab ihnen dabei von der Kirche geholfen wird.
Diese Bindung erleichtert die pastorale
Dynamik, da sie tatsächlich ihrem Wesen entspricht: Die Berufungen wie
auch die Charismen suchen sich gegenseitig, erleuchten sich gegenseitig, sie
ergänzen einander. Sie werden dagegen unverständlich, wenn sie
isoliert werden; auberdem betreibt derjenige keine kirchliche Pastoral, der
sich nur auf seinen Fachbereich beschränkt.
Freilich gilt dies in einem doppelten Sinn:
es ist die allgemeine Pastoral, die in einen Berufungsimpuls einmünden
mub, um die Entscheidung für einen Beruf zu fördern; aber es ist die
Berufungspastoral, die ihrerseits offen sein muß für die anderen
Dimensionen, indem sie sich einordnet und Öffnungen in jene Richtung
sucht.
Sie ist der Zielpunkt, der die verschiedenen
pastoralen Herausforderungen zusammenfabt und es ermöglicht, in der
existentiellen Geschichte des einzelnen Glaubenden fruchtbar zu werden. Im
ganzen gesehen verlangt die Berufspastoral Aufmerksamkeit, doch dafür
bietet sie eine Möglichkeit, pastorale Initiativen in jedem Bereich echt
und überzeugend sein zu lassen. Die Berufung ist der Pulschlag jeder
ganzheitlichen Pastoral!(76)
|