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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • DRITTER TEIL PASTORAL DER GEISTLICHEN BERUFE »... Jeder hörte sie in seiner Sprache reden« (Apg 2,6)
    • Wege der Berufungspastoral
      • b) Die kirchliche Gemeinschaft (Gemeinde)
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b) Die kirchliche Gemeinschaft (Gemeinde)

Die erste vitale Aufgabe, die die Liturgie erfüllt, ist die Sichtbarmachung der Gemeinschaft, die innerhalb der Kirche gelebt wird, als Volk Gottes, in Christus versammelt durch sein Kreuz (Joh 13,32), als eine Gemeinschaft, in der jede Trennung durch den Geist Gottes überwunden wird, der ein Geist der Einheit ist (Eph 2,11-22; Gal 3,26-28; Joh 17,9-26).

Die Kirche stellt sich dar als jener menschliche Raum der Geschwisterlichkeit, in dem jeder Gläubige die Erfahrung der Einheit von Gott und den Menschen machen kann und mub, die ein Geschenk von oben ist. Für diese kirchliche Dimension ist die Apostelgeschichte ein leuchtendes Beispiel, wo sie eine Gemeinschaft von Glaubenden beschreibt, die zutiefst von geschwisterlicher Einheit, von Teilung des materiellen und geistigen Besitzes, der Gefühle und Empfindungen geprägt (Apg 2,42-48) und »ein Herz und eine Seele« ist (Apg 4,32).

Wenn jede Berufung in der Kirche ein Geschenk ist, das in Freiheit als ein Dienst der Liebe für die anderen gelebt werden mub, dann ist sie auch ein Geschenk, das mit den anderen gelebt werden will. So kann man es also nur entdecken, wenn es geschwisterlich gelebt wird.

Die kirchliche Geschwisterlichkeit ist nicht nur eine Tugend des Verhaltens, sondern ein Weg der Berufung. Nur indem man sie lebt, kann man sie als grundlegenden Bestandteil eines Berufungsplanes erwählen, oder nur wenn man sie auskostet, kann man sich einer Berufung öffnen, die in jedem Fall eine Berufung zur Geschwisterlichkeit bedeutet.(79) Dagegen kann einer, der keinerlei Brüderlichkeit übt und sich jedem Bezug zum anderen versperrt oder der die Berufung lediglich als Mittel zur persönlichen und privaten Vollkommenheit versteht, mit seiner Berufung in keiner Weise anziehend für andere sein.

Die Berufung ist eine Beziehung; sie ist eine Offenbarung des Menschen, den Gott als beziehungsoffen geschaffen hat, und auch im Falle einer Berufung zur Intimität mit Gott in monastischer Klausur beinhaltet sie eine Fähigkeit zur Öffnung und zur Anteilnahme, die nur durch die Erfahrung einer wirklichen Geschwisterlichkeit gewonnen werden kann. »Die Überwindung einer individualistischen Sicht des Amtes, der Weihe und des Lebens in den einzelnen christlichen Gemeinschaften ist ein historisch entscheidender Schritt«.(80)

Die Berufung ist Dialog; sie ist das Wissen, von einem Anderen gerufen zu sein; sie ist der Mut, ihm zu antworten. Wie kann diese Fähigkeit zum Dialog in jemand heranreifen, der im Alltag und in den täglichen Beziehungen nicht gelernt hat, sich an-rufen zu lassen, zu antworten, sich selbst im andern zu erkennen? Wie soll sich jemand vom Vater rufen lassen, der sich nicht um eine Antwort an den Bruder kümmert?

Der Austausch mit dem Nächsten und mit der Gemeinschaft der Gläubigen wird so zum Weg, auf dem man lernt, anderen an den eigenen Plänen teilhaben zu lassen, um dann den von Gott erdachten Plan zu übernehmen. Dieser wird in jedem Fall ein Plan der Geschwisterlichkeit sein.

Eine Form des Austauschs des Wortes Gottes wurde auch von einigen europäischen Kirchen erwähnt. Sie beinhaltet Zentren des Hörens, Gruppen von Gläubigen, die sich regelmäbig in ihren Häusern treffen, um die christliche Botschaft neu zu entdecken und unter sich die jeweiligen Erfahrungen und die Frucht ihrer Deutung des Gotteswortes austauschen.

Für die Jugendlichen erhalten diese Zentren eine Beziehung zur Berufung: im Hinhören auf das rufende Wort, in der Katechese und im Gebet, was alles mit tiefer persönlicher Betroffenheit, frei und kreativ erlebt wird. Das ?Zentrum des Hörens' wird so ein Anreiz zur Mitverantwortung in der Kirche, denn hier können die verschiedenen Möglichkeiten gefunden werden, wie der Gemeinschaft gedient werden kann, und oft können hier auch besondere Berufungen heranreifen.

Eine andere positive Erfahrung des Berufungsweges in den Teilkirchen und in den verschiedenen Instituten des geweihten Lebens ist die Gastgemeinschaft, die die Einladung Jesu verwirklicht: »Kommt, und seht«. Vom Papst wurde sie die »Goldene Regel der Berufungspastoral«(81) genannt. In diesen Gemeinschaften oder Orientierungszentren für Berufe können die Jugendlichen dank einer sehr spezifischen und unmittelbaren Erfahrung einen echten und schrittweisen Weg zur Berufsentscheidung zurücklegen. Dabei werden sie begleitet, damit sie zur rechten Zeit in der Lage seien, nicht nur den Plan Gottes mit ihnen zu erkennen, sondern diesen auch anzunehmen und sich selbst in ihm zu erkennen.




79) »Der erste Ort des Zeugnisses ist das Leben einer Kirche, die sich als »communio« erlebt und in der die Pfarreien und die Verbände als Einheit in Gemeinschaft gelebt werden« (Propositiones, 14).



80) Propositiones, 21.



81) Vita consecrata, 64.






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