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c) Der Dienst der Liebe
Dieser Dienst ist eine der kennzeichnendsten
Funktionen der kirchlichen Gemeinschaft. Er besteht im Erleben der Erfahrung
der Freiheit in Christus, in jenem höchstem Gipfel, den das Dienen
bedeutet. »Wer bei euch grob sein will, der soll euer Diener sein« (Mt
20,26), »wer der Erste sein will, der soll der Diener aller sein« (Mk 9,35).
In der Urkirche scheint diese Lehre rasch verstanden worden zu sein, da der
Dienst als eines ihrer strukturellen Elemente erscheint, bis zum Punkt, dab
Diakone bestellt werden, speziell für »den Dienst an den Tischen«.
Gerade weil der Gläubige durch die
Gnade die Erfahrung der Freiheit in Christus erlebt, ist er gerufen, für
die Menschen Zeuge der Freiheit und Akteur der Befreiung zu sein, von jener
Befreiung, die sich nicht durch Gewalt und Herrschaft erreichen läbt,
sondern durch Vergebung und Liebe, durch die Hingabe seiner selbst und seines
Dienstes, ganz nach dem Beispiel des dienenden Christus. Es ist der Dienst der
Liebe, deren Ausdrucksmöglichkeiten keine Grenzen kennen.
Er ist im Werdegang einer Berufung
vielleicht der Königsweg, um die eigene Berufung zu erkennen, da die
Erfahrung des Dienstes, besonders wo er gut vorbereitet, begleitet und in
seinem tiefsten Sinn erfabt ist, Ausdruck grober Menschlichkeit ist, die zum
besseren Verständnis seiner selbst, der Würde des anderen und der
Schönheit des Dienstes für andere beiträgt.
Ein echter Diener der Kirche ist jener, der
gelernt hat, es als eine Auszeichnung zu verstehen, den ärmsten
Brüdern die Fübe zu waschen, und jener, der die Freiheit errungen
hat, seine Zeit den Bedürfnissen der anderen zu opfern. Die Erfahrung des
Dienstes ist eine Erfahrung grober Freiheit in Christus.
Wer dem Bruder dient, der begegnet auf
unsichtbare Weise Gott und tritt in eine besondere Übereinstimmung mit ihm
ein. Es wird ihm nicht schwer fallen, Gottes Pläne mit ihm zu erkennen,
und er wird sich besonders angezogen fühlen, diesen zu entsprechen. Dies
wird auf alle Fälle eine Berufung zum Dienst für die Kirche und
für die Welt sein.
So war es in den vergangenen Jahrzehnten mit
vielen Berufen. Die Animation der Berufe seit dem Konzil ist schrittweise von
einer »Pastoral der Werbung« zur »Pastoral des Dienstes« übergegangen, vor
allem des Dienstes an den Ärmsten und Schwächsten.
Zahlreiche Jugendliche haben wirklich Gott
und sich selbst, ihre Lebensaufgabe und die wahre Freude gefunden, indem sie
ihren Brüdern Zeit und Aufmerksamkeit widmeten und schlieblich sich auch
entschieden, diesen nicht nur einen Teil ihres Lebens, sondern ihre ganze Existenz
zu opfern. Die christliche Berufung ist tatsächlich eine Berufung für
die anderen.
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