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d) Das Zeugnis - Verkündigung des
Evangeliums
Das Zeugnis ist die Verkündigung, dab
Gott dem Menschen durch die ganze Heilsgeschichte besonders in Christus nahe
ist; es ist deshalb auch Verkündigung der Barmherzigkeit des Vaters mit
dem Menschen, damit er Leben in Fülle habe. Diese Verkündigung steht
am Anfang des Glaubensweges jedes Gläubigen. Der Glaube ist wirklich eine
Gabe Gottes, und er wird durch das Beispiel der glaubenden Gemeinschaft, ihrer
vielen Brüder und Schwestern, wie auch durch die katechetische
Unterweisung über die Wahrheit des Evangeliums bezeugt.
Doch der Glaube wird vermittelt, und es
kommt der Punkt, wo jedes Zeugnis zu einem aktiven Geschenk wird: die
empfangene Gabe wird geschenkte Gabe durch das persönliche Zeugnis und die
persönliche Verkündigung. Das Glaubenszeugnis beansprucht den ganzen
Menschen und kann nur mit dem ganzen Sein und mit der eigenen Menschlichkeit
erfolgen, mit ganzem Herzen, mit ganzem Geist, mit allen Kräften, bis hin
zum blutigen Opfer des Lebens.
Dieses "crescendo" in den
Bedeutungen des Begriffs ist interessant; es ist eine Steigerung, der wir im
Grunde im biblischen Text, der uns begleitet, begegnen: so im Zeugnis und in
der Katechese des Petrus und der Apostel am Pfingsttag und anschliebend in der
mutigen Katechese des Stephanus, die in seinem Martertod gipfelt (Apg 6,8;
7,60), und in dem der Apostel, die »sich freuten, dab sie gewürdigt worden
waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden« (Apg 5,41).
Doch noch interessanter ist die Entdeckung,
auf welche Weise dieses Zeugnis und diese Verkündigung zu einem besonderen
Weg der Berufung werden können.
Das dankbare Bewubtsein vom Geschenk des
Glaubens mübte sich regelmäbig umsetzen in den Wunsch und den Willen,
anderen weiterzugeben, was man selbst empfangen hat, sei es durch das Vorbild
des eigenen
Lebens, sei es durch den Dienst der
Katechese. Diese ist dann »dazu bestimmt, die vielen Lebenssituationen zu
beleuchten und jeden zu unterweisen, die eigene Berufung als Christ in der Welt
zu leben«.(82) Und wenn der Katechet vor allem anderen selbst auch ein
Zeuge ist, dann wird die Dimension einer solchen Berufung noch deutlicher.(83)
Der Kongreß hat die Wichtigkeit der
Katechese für die Berufungen bekräftigt und in der Spendung des
Sakraments der Firmung einen auberordentlichen Berufsweg für die
jungen Menschen aufgezeigt. Das Firmalter könnte gerade das »Alter der
Berufung« werden, eine Zeit der theologisch und pädagogisch qualifizierten
Ausrichtung auf die Entdeckung und Verwirklichung der empfangenen Gabe und auf
deren Bezeugung.
Das katechetische Tun sollte die
Fähigkeit wecken, die Gabe des Geistes zu erkennen und zu bekennen.(84)
Die unmittelbare Begegnung mit
Gläubigen, die ihre Berufung treu und mutig leben, und mit
glaubwürdigen Zeugen, die konkrete Erfahrungen geglückter Berufungen
vermitteln, kann ausschlaggebend werden, um den Firmlingen bei der Entdeckung
und Annahme des Rufes Gottes zu helfen.
Die Berufung wurzelt jedenfalls immer im
Bewubtsein eines Geschenks und in einem Bewubtsein, das derart dankbar ist, dab
es ihm geradezu selbstverständlich erscheint, die eigene Erfahrung in den
Dienst der anderen zu stellen, um so die Sorge um deren Wachstum im Glauben auf
sich zu nehmen.
Wer aufmerksam und hochherzig das Zeugnis
seines Glaubens lebt, der wird nicht zögern, den Plan Gottes mit sich
anzunehmen, um mit all seinen Kräften an dessen Verwirklichung
mitzuarbein.
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