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Von den Berufungswegen zu den
christlichen Gemeinschaften
a) Die
Pfarrgemeinde
29. Der Europäische Kongreb hat sich
unter anderem zum Ziel gesetzt, die Berufungspastoral in das Leben der
christlichen Pfarrgemeinden hineinzutragen, dorthin, wo die Menschen leben und
wo besonders die Jugend mehr oder weniger stark in eine Glaubenserfahrung einbezogen
ist. Es geht darum, die Berufungspastoral ausgehend vom Kreis der Mitarbeiter
bis zu den Randbereichen der Ortskirche vordringen zu lassen.
Zugleich ist es bereits Zeit, die in vielen
Kirchen Europas noch andauernde Experimentierphase zu überwinden, um zu
wirklich pastoralen Wegen zu finden, die ins Geflecht der christlichen Gemeinde
eingebunden sind, und all das aufzuwerten, was im Blick auf die geistlichen
Berufe bereits überdeutlich ist.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das
Kirchenjahr, das eine ständige
Glaubensschule ist, in der jeder Gläubige mit Hilfe des Heiligen Geistes
gerufen ist, nach dem Bilde Jesu zu wachsen. Vom Advent, der Zeit der Hoffnung,
bis Pfingsten und bis zur gewöhnlichen Zeit im Kirchenjahr feiert und
entwirft der zyklisch wiederkehrende Weg des Kirchenjahres ein Bild vom
Menschen, das sich am Geheimnis Jesu mibt, dem »Erstgeborenen von vielen
Brüdern« (Röm 8,29).
Die Anthropologie, die das Kirchenjahr
erkennen läbt, ist ein echter Berufungsentwurf, der jeden Christen anregt,
immer mehr auf den Anruf zu antworten, um eine klare und persönliche
Sendung in der Geschichte wahrzunehmen. Hier beginnt die Aufmerksamkeit
für die alltäglichen Wege, auf die jede christliche Gemeinschaft
verwiesen ist. Die pastorale Weisheit verlangt auberdem besonders von den
Hirten, den Leitern der christlichen Gemeinden, eine gewissenhafte Sorge und
ein aufmerksames Urteil, um den liturgischen Zeichen und dem Glaubenserlebnis
Sprache zu verleihen; denn von der Gegenwart Christi im Alltag des Menschen aus
ergehen die Appelle des Geistes zur Berufung.
Nicht vergessen sei, dab der Hirte,
besonders der Priester als Verantwortlicher für eine christliche Gemeinde,
auch der »unmittelbare Gärtner« aller Berufungen ist.
Tatsächlich ist nicht überall in
den Pfarrgemeinden ein volles Bewubtsein hinsichtlich der Verantwortung
für der Pflege der Berufe zu finden; während doch gerade die
»Pastoralräte auf pfarrlicher und diözesaner Ebene, in Verbindung mit
den nationalen Zentren fü geistliche Berufe, ... in allen Gemeinschaften
und in allen Bereichen der ordentlichen Pastoral die kompetenten Organe
dafür sind«.(87)
Deshalb ist die Initiative jener Pfarreien
zu ermutigen, die in ihrer Mitte Gruppen zur Förderung der Berufe und der
verschiedenen Aktivitäten errichtet haben, »um ein Problem zu lösen,
das seinen Ort im Herzen der Kirche hat«(88) (Gebetsgruppen, Tage und
Wochen der geistlichen Berufe, Katechesen, Zeugnisse und alles, was dazu
beitragen kann, die Sensibilität für die Berufungen zu
verstärken).(89)
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