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b) Zeichenhafte Orte für das Leben
als Berufung
In diesem sensiblen und notwendigen
Übergang von einer Berufungspastoral punktueller Begegnungen zu einer
Berufungspastoral der 'Wege' dürfen nicht nur jene Impulse zu einer
Berufung zu Wort kommen, die von den Wegen ausgehen, die den Alltag der
christlichen Gemeinde ausmachen, sondern es ist klug, die zeichenhaften Orte
des Lebens als Berufung und die pädagogischen Orte des Glaubens ins
Licht zu rücken. Eine Kirche ist lebendig, wenn sie mit den Gaben des
Geistes solche Orte wahrzunehmen und zu nützen weib.
Die zeichenhaften Orte für den
Berufungscharakter der Existenz in einer Ortskirche sind die monastischen
Gemeinschaften als Zeugen des betenden Antlitzes der kirchlichen Gemeinschaft,
die apostolischen Ordensgemeinschaften und die Säkularinstitute.
In einem kulturellen Umfeld, das sehr auf
die vorletzten und unmittelbaren Dinge ausgerichtet ist und wo der kalte Wind
des Individualismus weht, öffnen die betenden und apostolischen
Gemeinschaften besonders für die jüngeren Generationen, die eindeutig
für Zeichen empfänglicher sind als für Worte, wahre Dimensionen
echt christlichen Lebens.
Ein besonderes Zeichen des
Berufungscharakters des Lebens ist die Gemeinschaft des Diözesanseminars.
Dieses spielt innerhalb unserer Kirchen eine einzigartige Rolle. Einerseits ist
es ein starkes Zeichen, da es Zukunft verheibt. Die jungen Männer,
die dorthin gelangen, Kinder dieser Generation, werden die Priester von morgen
sein. Nicht nur dies: das Seminar ruft ganz konkret die Berufungsbezogenheit
des Lebens und die Notwendigkeit des Weiheamtes für die Existenz der
christlichen Gemeinde in Erinnerung.
Andererseits ist das Seminar auch ein schwaches
Zeichen: denn es erfordert die unablässige Aufmerksamkeit der
Ortskirche; es erfordert eine ernsthafte Berufspastoral, um jährlich mit
neuen Kandidaten beginnen zu können. Dabei kann auch die materielle
Unterstützung ein pädagogischer Anreiz sein, das Gottesvolk zum Gebet
für alle Berufungen zu erziehen.
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