|
d) Erziehergestalten
Im gegenwärtigen Augenblick ist mit
besonderer Eindringlichkeit eine weitere pastoralpädagogische
Aufmerksamkeit gefordert: die Heranbildung von wirklichen Erziehergestalten.
Die Schwäche und Problematik der
pädagogischen Orte des Glaubens, die von der Kultur des Individualismus,
der spontanen Gruppenzusammenschlüsse und der Krise der Institutionen auf
eine harte Probe gestellt werden, hat sich überall ein wenig
herumgesprochen.
Andererseits wird besonders bei den
Jugendlichen das Bedürfnis nach Dialog und nach Bezugspunkten
spürbar. Dafür gibt es viele Anzeichen. Es besteht Bedarf an Meistern des geistlichen
Lebens, an zeichenhaften Gestalten, die fähig sind, das Geheimnis Gottes
spürbar zu machen und die zum Zuhören bereit sind, um den Betroffenen
zu einem ehrlichen Dialog mit dem Herrn zu verhelfen.
Starke
geistliche Persönlichkeiten sind nicht nur einige besonders charismatisch
begabte Personen, sondern sie sind das Ergebnis einer Erziehung, die auf den
absoluten Primat des Heiligen Geistes besonders aufmerksam war.
In der Sorge um
die Erziehergestalten unserer Gemeinschaften ist ein Doppeltes festzuhalten:
einerseits geht es darum, das berufsbezogene, erzieherische Bewubtsein in all
jenen Personen ans Licht zu bringen und wachzuhalten, die in der Gemeinde
bereits zur Arbeit mit der Jugend berufen sind (Priester, Ordensleute, Laien).
Andererseits ist der erzieherische
Dienste der Frau zu ermutigen und zu
bilden, damit sie besonders an der Seite der Jugend eine Bezugsperson und eine
weise Führerin sein kann. Tatsächlich ist die Frau in der
christlichen Gemeinde stark präsent, und die intuitiven Fähigkeiten
des »weiblichen Genius« sowie die breitgefächerte Erfahrung der Frau auf
erzieherischem Gebiet (Familie, Schule, Gruppe, Gemeinschaft) sind allgemein
anerkannt.
Der Beitrag der Frau ist hoch einzustufen,
wenn nicht gar entscheidend, besonders im Bereich der Welt der weiblichen
Jugend, die nicht der Welt der männlichen Jugend einfach gleichzusetzen
ist. Dieser Gesichtspunkt bedarf aufmerksamer und spezifischer
Überlegungen, vor allem im Bereich der Berufung.
Vielleicht ist auch dies Teil jener Wende, die
die Berufungspastoral kennzeichnet. Während in der Vergangenheit auch die
weiblichen Berufe von groben Gestalten geistlicher Väter ausgingen, die
echte Führer von Einzelnen und Gemeinschaften waren, so bedürfen
heute die weiblichen Berufe einer Beziehung zu weiblichen, persönlichen
oder gemeinschaftlichen Gestalten, die fähig sind, dem Angebot von Formen
und Werten Gesicht zu verleihen.
|