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a) Zwei
Freiheiten im Dialog
Das Gleichnis vom Sämann zeigt,
daß die christliche Berufung ein Dialog zwischen Gott und der
menschlichen Person ist. Der wichtigste Sprecher ist Gott, der ruft, wen er
will, wann er will und auf welche Weise er will, »aus eigenem Entschlub und aus
Gnade« (2 Tim 1,9); der alle zum Heil beruft, ohne sich von der
Bereitschaft des Empfangenden abhängig zu machen. Aber die Freiheit Gottes
begegnet der Freiheit des Menschen in einem geheimnisvollen und faszinierenden
Dialog aus Worten und Schweigen, aus Mitteilung und Tun, aus Blicken und
Gesten; eine Freiheit, die vollkommen ist, die Freiheit Gottes, und die andere
Freiheit, die unvollkommen ist, die menschliche Freiheit. Die Berufung ist also
völlig ein Handeln Gottes, aber sie ist auch ein wirkliches Tun des Menschen:
Arbeit und Eindringen Gottes ins Herz der menschlichen Freiheit, aber auch
Mühsal und Kampf des Menschen, um frei zu sein, dieses Geschenk
anzunehmen.
Wer einen Bruder auf dem Weg der
Berufsklärung begleitet, tritt in das Geheimnis der Freiheit ein und weib,
dab er nur dann helfen kann, wenn er dieses Geheimnis achtet; auch wenn dies,
wenigstens dem Schein nach, ein geringeres Ergebnis beinhalten sollte, genau
wie beim Sämann im Evangelium.
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