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b) Der Mut, überall zu säen
Gerade die Achtung dieser beiden Freiheiten
bedeutet vor allem den Mut, den guten Samen des Evangeliums von der
Auferstehung des Herrn, vom Glauben und von der Nachfolge zu säen. Dies
ist die Voraussetzung; man kann überhaupt keine Berufspastoral betreiben,
wenn dieser Mut nicht gegeben ist. Nicht nur dies; man mub überall
säen, im Herzen eines jeden, ohne Bevorzugung oder Ausnahme. Wenn
jeder Mensch Geschöpf Gottes ist, ist er auch Träger einer Gabe,
einer besonderen Berufung, die anerkannt werden will.
Oft klagt man in der Kirche über die
spärlichen Antworten betreffs der Berufung. Man übersieht dabei, dab
das Angebot sich oft nur an einen beschränkten Personenkreis richtet und
womöglich nach einer ersten Ablehnung sofort zurückgezogen wird. Es
sei also daran erinnert, was Paul VI. sagte: »Dab doch keiner durch unsere
Schuld das nicht kenne, was er wissen mub, um dem eigenen Leben eine andere und
bessere Ausrichtung zu geben«.(97) Und dennoch, wie viele Jugendliche
haben nie eine christliche Einladung vernommen betreffs ihres Lebens und ihrer
Zukunft!
Es ist einzigartig, den Sämann des
Gleichnisses zu beobachten, wie er mit grobzügiger Hand den Samen
»überallhin« ausstreut; und es ist bewegend, in diesem Bild das Herz
Gottes, des Vaters, zu erkennen. Es ist das Bild Gottes, der ins Herz eines
jeden einen Heilsplan hineinsät; oder wenn wir wollen, es ist das Bild
der »verschwenderischen« göttlichen Grobzügigkeit, die sich allen
mitteilt, weil sie alle retten und zu sich rufen will.
Es ist das Bild des Vaters selbst, das im
Handeln Jesu offenkundig wird, der die Sünder zu sich ruft, der seine
Kirche aufbauen will mit Leuten, die für diese Sendung offensichtlich
ungeeignet sind, der keine Schranken kennt und nicht auf die Person schaut.
In diesem Bild sich wiederfindend sät
der Arbeiter in der Berufspastoral seinerseits aus, verkündet,
schlägt vor, macht betroffen, immer mit derselben
Großzügigkeit; und es ist gerade die sichere Überzeugung vom
Samen, den der Vater in das Herz jeder Kreatur hineingelegt hat, die ihm die
Kraft gibt, überallhin zu gehen und den guten Samen der Berufung
auszusäen, nicht in den üblichen Räumen zu verharren und neue
Bereiche anzugehen, um ungewohnte Versuche zu wagen und sich an jeden Menschen
zu wenden.
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