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a) Werdegang der Berufung
Nachdem wir den berufspastoralen Werdegang
der Berufung beschrieben haben, fragen wir uns nun: Wie sieht der Werdegang
eines Berufes auf pädagogischer Ebene aus?
Der pädagogische Werdegang einer
Berufung ist eine Reise, die die Glaubensreife zum Ziel hat, ist wie eine Pilgerfahrt zum Erwachsenenalter
des Gläubigen, der gerufen ist, über sich und über sein Leben in
Freiheit und Verantwortung zu befinden, entsprechend dem geheimnisvollen
Plan, den Gott für ihn erdacht hat. Eine solche Reise geschieht in Etappen
und in Begleitung eines älteren Bruders oder einer Schwester im
Glauben und in der Jüngerschaft, die den Weg, die Stimme und die
Schritte Gottes kennen, die dabei helfen, den rufenden Herrn zu erkennen und
den rechten Weg zu finden, auf dem ihm entgegenzugehen und zu antworten ist.
Der Werdegang eines Berufes ist demnach vor
allem ein Weg mit Ihm, dem Herrn des Lebens, mit jenem »Jesus in Person«, wie
Lukas sagt, der sich dem Weg des Menschen anschliebt, ihn mit ihm geht und in
dessen Geschichte eintritt. Doch die Augen des Fleisches können ihn oft
nicht erkennen. Dann wird das Gehen des Menschen einsam, der Dialog
überflüssig, das Suchen droht ewig zu dauern, zu einem endlosen und
oft narzistischen »Erfahrungen-machen« zu werden, auch berufungsbezogene, ohne
jeden abschliebenden Erfolg. Es ist womöglich erste Aufgabe des
Berufsbegleiters, die Anwesenheit eines Anderen aufzuzeigen oder die
Relativität der eigenen Nähe und Begleitung einzugestehen, um
Vermittler dieser Gegenwart oder dieses Weges zur Entdeckung des rufenden
Gottes zu sein, der jedem Menschen nahe steht.
Wie die beiden Jünger von Emmaus oder
wie Samuel in der Nacht haben unsere Jugendlichen oft keinen Blick, um zu
sehen, keine Ohren, um den zu hören, der neben jedem einhergeht und so
inständig wie taktvoll ihre Namen nennt. Der begleitende Bruder ist ein
Zeichen für dieses taktvolle Drängen; seine Aufgabe ist es, den
Ursprung dieser geheimnisvollen Stimme erkennen zu helfen; er redet nicht von
sich, sondern verkündet einen Anderen, obschon dieser bereits da ist, wie Johannes
der Täufer dies tat.
Der Dienst der Berufsbegleitung ist ein
demütiger Dienst von jener heiteren und gelassenen Demut, die der Freiheit
im Geist entspringt und sich »mit dem Mut des Hinhörens, der Liebe und des
Dialogs« ausdrückt. Dank dieser Freiheit gewinnt die Stimme des Rufers an
Klarheit und Entscheidungskraft. Und der Jugendliche sieht sich Gott
gegenüber, entdeckt mit Staunen, dab es der Ewige ist, der durch die Zeit
an seiner Seite geht und ihn zu einer endgültigen Entscheidung ruft!
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