|
c) Mit-teilen und Mit-Berufensein
Eine Berufung zu begleiten bedeutet vor
allem, etwas gemeinsam haben: das
Brot des Glaubens, der Erfahrung Gottes, der Mühe des Suchens, bis hin zum
Mit-teilen der Berufung, selbstverständlich nicht um sie
aufzudrängen, sondern um die Schönheit eines Lebens zu bekunden, das
sich nach dem Plan Gottes gestaltet.
Der richtige Ton in der Berufsbegleitung ist
nicht der belehrende oder ermahnende und auch nicht der einseitig
freundschaftliche, auch nicht von seiten des geistlichen Leiters (verstanden
als einer, der das Leben eines andern sofort in eine bestimmte Richtung
drängt), sondern es ist der Ton der confessio fidei.
Wer einen Beruf begleitet, bezeugt
die eigene Berufswahl, oder besser, das eigene Erwähltsein von Gott. Er
erzählt — nicht notwendigerweise in Worten — seinen eigenen Berufsweg und
die andauernde Entdeckung seiner selbst im Charisma seiner Berufung; er stellt
auch die Mühe, die Neuheit, das Risiko, die Überraschung und die
Schönheit dar und macht sie verständlich.
So entsteht eine Berufungskatechese von
Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz, reich an Menschlichkeit und
Originalität, an Leidenschaftlichkeit und Überzeugungskraft, eine
wissens- und erfahrungsmäbige Animation. Es ist ein wenig wie die
Erfahrung der ersten Jünger Christi, »Sie gingen mit ihm und sahen, wo er
wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm« (Joh 1,39); es war eine tief
betroffen machende Erfahrung, wenn Johannes nach vielen Jahren sich noch daran
erinnert, dab es »gegen vier Uhr nachmittags war«.
Man kann Berufsanimation nur durch
Ansteckung bewirken, durch direkten Kontakt, weil das Herz voll ist und die
Erfahrung der Schönheit weiterhin siegt. »Die Jugendlichen sind am
Lebenszeugnis von Menschen, die bereits auf einem geistliche Weg sind, sehr
interessiert. Priester und Ordensleute müssen den Mut aufbringen, konkrete
Zeichen ihres geistlichen Weges zu geben. Darum ist es wichtig, Zeit für
die Jugendlichen aufzuwenden, auf ihrer Ebene sich zu bewegen, dort, wo sie
sich befinden, sie anzuhören und auf die Fragen einzugehen, die sich aus
der Begegnung ergeben«.(100)
Genau aus diesem Grunde ist der
Berufsbegleiter auch ein Begeisterter seiner eigenen Berufung und seiner
Möglichkeit, diese anderen zu vermitteln: er ist nicht nur
überzeugter Zeuge, sondern zufriedener Zeuge, und deshalb auch
überzeugend und glaubwürdig.
Nur so erreicht die Botschaft die
spirituelle Ganzheitlichkeit der Person, d.h. Herz, Geist und Willen, indem sie
etwas anbietet, das wahr, schön und gut ist.
Dies ist der Sinn von Mit-Berufung:
niemand kann an der Seite eines Verkünders einer derart »Frohen Botschaft«
gehen und sich nicht betroffen fühlen, »vollkommen berufen«, in allen
Bereichen seiner Persönlichkeit, und ständig gerufen: zunächst
von Gott, dann aber auch von vielen Personen, Idealen, unvorhersehbaren
Situationen, unterschiedlichen Provokationen und menschlichen Vermittlungen des
göttlichen Rufes.
Dann kann das Anzeichen für die
Berufung besser wahrgenommen werden.
|