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a) Erziehen zur Selbsterkenntnis
Jesus naht sich den beiden und fragt sie,
worüber sie reden. Er weib es bereits, doch möchte er, dab beide vor
sich selbst offen seien, indem sie ihre Trauer und ihre enttäuschten
Hoffnungen in Worte fassen, und er ihnen dann helfe, sich ihrer Schwierigkeiten
und der wahren Ursachen ihrer Verwirrung bewubt zu werden. So sind die beiden
praktisch gezwungen, das jüngste Geschehen erneut zu überdenken und
den wahren Grund ihrer Trauer kundzutun.
»Wir hatten gehofft...«; doch die Geschichte
schien sich entgegen ihren Erwartungen entwickelt zu haben. Ja, in Wirklichkeit
hatten sie all ihre bedeutenden Erfahrungen im unmittelbaren Kontakt mit Jesus
gemacht, »mächtig in Wort und Tat«; nun ist es aber, als wäre dieser
Glaubensweg plötzlich unterbrochen angesichts eines so
unverständlichen Ereignisses, wie Leiden und Tod dessen es waren, der
Israel eigentlich hätte befreien sollen.
»Wir hatten gehofft...«; wie soll man in
dieser unvollendeten Geschichte nicht das Geschick so vieler Jugendlicher
wiedererkennen, die an der Berufsfrage interessiert sind, sich herausfordern
lassen und gute Bereitschaft zeigen, aber dann plötzlich angesichts der zu
treffenden Entscheidung stehen bleiben? Jesus zwingt die beiden Jünger
gewissermaben dazu, die Diskrepanz zwischen ihren Hoffnungen und den
Plänen Gottes, wie sie in Jesus sich erfüllten, zuzulassen, zwischen
ihrem Verständnis des Messias und dessen Tod am Kreuz, zwischen ihren so
menschlichen und vielversprechenden Erwartungen und dem Sinn eines Heils, das
von oben kommt.
Auf gleiche Weise ist es wichtig und
entscheidend, den Jugendlichen dabei zu helfen, dab ihnen das
Grund-Mibverständnis bewubt wird: jene zu irdische und zu ichbezogene
Sicht des Lebens, die eine Berufsentscheidung schwer oder gar unmöglich
macht oder die die Anforderungen der Berufung als überzogen erscheinen
läbt, als ob Gott ein Feind des menschlichen Glückes wäre.
Viele Jugendliche haben ihre Berufung
abgewiesen, nicht weil sie etwa eng und gleichgültig gewesen wären,
sondern einfach weil man ihnen nicht geholfen hat, sich zu erkennen und die zweifelhafte und heidnische Wurzel gewisser
geistiger und emotionaler Schablonen zu entdecken und weil ihnen nicht geholfen
wurde, sich zu befreien von ihren bewubten oder unbewubten Ängsten
und Verweigerungen gegenüber der Berufung selbst. Wie viele erstorbene
Berufungen sind auf dieses erzieherische Schweigen zurückzuführen!
Erziehen bedeutet vor allem, die
Wirklichkeit des Ich, wie es ist, zu entdecken, wenn man es dann dazu bringen
will, zu sein, wie es sein soll: die Ehrlichkeit ist ein wesentlicher Schritt
auf die Wahrheit hin, doch bedarf es in jedem Fall der Hilfe von auben, um das
Innere gut zu erkennen. Der Erzieher zur Berufung mub darum die Verliebe des
menschlichen Herzens kennen, um den Jugendlichen beim Aufbau seines wahren Ichs
zu begleiten.
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