Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

IntraText CT - Text

  • VIERTER TEIL PÄDAGOGIK DER BERUFUNG »Brannte uns nicht das Herz in der Brust?...« (Lk 24,32)
    • Erziehen (e-ducare)
      • b) Zum Geheimnis erziehen (Mystagogik)
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen auszublenden

b) Zum Geheimnis erziehen (Mystagogik)

Hier entsteht ein Widerspruch. Wenn der Jugendliche zu seinen Quellen geführt ist und auch seinen Schwächen und Ängsten ins Auge schauen kann, dann hat er das Gefühl, die Motive für bestimmte Haltungen und Reaktionen besser zu verstehen, und er versteht gleichzeitig die Wirklichkeit des Geheimnisses immer besser als einen Schlüssel zum Verständnis des Lebens und seiner Person.

Es ist unverzichtbar, daß der Jugendliche sein Nichtwissen annimmt, sich nicht bis ins letzte zu kennen.

Das Leben liegt nicht völlig in seinen Händen, denn das Leben ist Geheimnis; andererseits aber ist das Geheimnis Leben. Anders gesagt: das Geheimnis ist die unentdeckte Seite des Ich, die noch nicht gelebt wird und die darauf wartet, entschlüsselt und verwirklicht zu werden; das Geheimnis ist jene Wirklichkeit der Person, die erst noch wachsen mub, reich an Leben und an noch unberührten existentiellen Möglichkeiten; es ist jener Teil, der das Ich hervorbringt.

Also ist die Annahme des Geheimnisses ein Zeichen von Einsicht, von innerer Freiheit, von Willen nach Zukunft und nach Neuem, ein Zeichen von Ablehnung eines sich immer wiederholenden und passiven, langweiligen und bedeutungslosen Lebensbildes. Hier versteht man, weshalb wir anfangs gesagt haben, daß die Berufspastoral mystagogisch sein mub und dab sie deshalb vom Geheimnis Gottes ausgehen mub, um zum Geheimnis des Menschen zurückzuführen. Der Verlust des Gespürs für das Geheimnis ist eine der Hauptursachen der Krise der Berufe.

Gleichzeitig wird die Kategorie des Geheimnisses zu einer propädeutischen Kategorie des Glaubens. Es ist möglich und gewissermaben auch natürlich, daß der Jugendliche an diesem Punkt in seinem Inneren etwas neu entstehen spürt, wie ein Bedürfnis nach Offenbarung, d.h. eine Sehnsucht, dab doch der Urheber des Lebens selbst ihm den Sinn des Lebens und den Ort, den er in ihm einzunehmen hat, offenbaren möge. Wer anders als der Vater könnte diese Offenbarung geschehen lassen?

Andererseits ist es nicht so wichtig, dab der Jugendliche (oder der Begleiter) sofort den Weg erkenne, den er zu gehen hat: worauf es ankommt ist, dab er in jedem Fall entdeckt und sich dafür entscheidet, dab die Suche nach dem Fundament seiner Existenz auberhalb seiner selbst in Gott Vater anzusiedeln ist. Eine echter Weg zur Berufung führt immer und überall zur Entdeckung der Vaterschaft und Mutterschaft Gottes!




zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License