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c) Erziehung zur Deutung des Lebens
Im Evangelium lädt Jesus die beiden von
Emmaus gewissermaben ein, zum Leben zurückzukehren, zu jenen Ereignissen,
die Ursache ihrer Traurigkeit waren, und zwar durch eine behutsame Methode der
Deutung, die nicht nur fähig ist, die Ereignisse in Bezug auf einen
zentralen Sinngehalt miteinander zu verbinden, sondern im geheimnisvollen
Gewebe der menschlichen Existenz den roten Faden eines göttlichen Planes
zu entdecken. Es ist dies die Methode, die genetisch-historisch genannt werden
könnte und die in der eigenen Biographie die Schritte und Spuren des
Vorübergangs Gottes und somit auch seine rufende Stimme suchen und finden
lassen könnte. Diese Methode
– ist gleichzeitig deduktiv und induktiv,
oder geschichtlich-biblisch: sie geht gleichzeitig von der geoffenbarten
Wahrheit und der geschichtlichen Wirklichkeit aus und fördert so einen
dauernden Dialog zwischen dem subjektiv Erlebten (die von den beiden
Jüngern genannten Ereignisse) und dessen Beziehung zum Wort Gottes (»Und
er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten
Schrift über ihn geschrieben steht« - Lk 24,27);
– verweist durch den Verbindlichkeitscharakter
des Wortes Gottes und durch die Zentralität des Ostergeheimnisses des
toten und wieder auferstandenen Christus auf einen präzisen
Interpretationsschlüssel für die existentiellen Ereignisse, ohne
irgendein Vorkommnis zu übergehen, sei es noch so schwer und schmerzhaft (»Mubte
nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?« -
Lk 24,26);
Die Deutung der Lebensgeschichte wird so zu
einem höchst geistlichen und nicht nur psychologischen Tun, da sie dazu
führt, im Leben die helle und geheimnisvolle Gegenwart Gottes und seines
Wortes zu erkennen. (101) Sie ermöglicht auch, innerhalb dieses
Geheimnisses allmählich den Keim der Berufung wahrzunehmen, den der Vater
selbst in die Furchen des Lebens eingesenkt hat. Dieser Same, so klein er sein
mag, beginnt nun sichtbar zu werden und zu wachsen.
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