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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • VIERTER TEIL PÄDAGOGIK DER BERUFUNG »Brannte uns nicht das Herz in der Brust?...« (Lk 24,32)
    • Erziehen (e-ducare)
      • d) Erziehen zur An-Rufung (in-vocare)
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d) Erziehen zur An-Rufung (in-vocare)

Wenn die Deutung des Lebens ein geistliches Tun ist, dann führt dies die Person zwangsläufig nicht nur zur Erkenntnis ihres Hungers nach Offenbarung, sondern zu dessen Feier im Gebet der An-Rufung. Erziehen heibt: die Wahrheit über das Ich heraus-rufen. Dieses Herausrufen hat seinen Ursprung im Raum des anrufenden Betens, in einem Gebet, das eher Vertrauen besagt als Bitte, eines Gebets, das Staunen und Dankbarkeit ist, aber auch Kampf und Spannung, schmerzliches »Schürfen« der eigenen Ambitionen und Erwartungshaltungen, der Fragen, der Suche des Andern: des Vaters, der im Sohn jedem Suchenden den rechten Weg zeigt.

Dann jedoch wird das Gebet zum Ort der Erkenntnis der Berufung, der Erziehung zum Hören auf den rufenden Gott, denn eine jede Berufung hat ihren Ursprung in den Räumen des anrufenden, geduldigen und vertrauensvollen Gebets; dies wird nicht von der Erwartung einer raschen Antwort getragen, sondern von der Gewibheit oder der Hoffnung, dab die Bitte nicht unerhört bleiben kann und dab sie zur rechten Zeit dem Bittenden seine Berufung zeigen wird.

In der Emmausgeschichte enthüllt sich dies alles in einem wesentlichen Wort, vielleicht dem schönsten Gebet, das je von einem Menschenherzen gesprochen wurde: »Bleib doch bei uns, denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt« (Lk 24,29). Es ist die Bitte dessen, der weib, dab ohne den Herrn sofort die Nacht des Lebens hereinbricht, dab ohne sein Wort die Dunkelheit des Unverständnisses oder der Verwirrung des Ichs herrscht; das Leben erscheint sinnlos und ohne Berufung. Es ist die Anrufung dessen, der womöglich seinen Weg noch nicht gefunden hat, der aber spürt, dab er in Seiner Nähe sich selbst findet, da nur Er »Worte des ewigen Lebens« hat (Joh 6,67-68).

Diese Art von anrufendem Gebet lernt man nicht spontan, sondern es verlangt eine lange Schulung; und man lernt es nicht von sich, sondern mit der Hilfe dessen, der gelernt hat, in das Schweigen Gottes hineinzuhorchen. Auch kann nicht jeder solches Beten lehren, sondern nur, wer seiner Berufung treu ist.

Wenn aber — heute wie gestern oder noch mehr als gestern — das Gebet der natürliche Weg der Suche nach der Berufung ist, dann brauchen wir Erzieher zur Berufung, die selber beten, die beten lehren und die zur An-rufung erziehen.




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