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b) Die Wahrheit des Lebens erkennen
In einem echten Bildungsprozeb auf eine
Berufsentscheidung hin beginnt an dieser Stelle jedoch eine zweite
»Erkenntnis«, nämlich: im eucharistischen Zeichen die Deutung des Lebens
zu erkennen und zu entdecken. Wenn die Eucharistie das Opfer Christi ist, das
die Menschheit rettet, und wenn dieses Opfer der gebrochene Leib und das
für das Heil der Menschheit vergossene Blut ist, dann ist auch das Leben
des Gläubigen aufgerufen, sich im gleichen Sinne zu gestalten: auch das
Leben ist empfangenes Gut, das von sich aus danach strebt, hingegebenes Gut zu
werden, wie das Leben des Ewigen Wortes: Dies ist die Wahrheit des Lebens,
die Wahrheit eines jeden Lebens.
Die Folgerungen für den Bereich der
Berufung liegen auf der Hand. Wenn es am Beginn der menschlichen Existenz ein
Geschenk gibt, das diese in ihrem Sein begründet, dann ist der Weg des
Lebens vorgezeichnet: wenn es Gabe ist, wird es sich selbst nur voll
verwirklichen, indem es sich in der Linie des Sich-Schenkens entwickelt; es
wird glücklich sein, wenn es diese seine Natur respektiert. Es mag sich
entscheiden wofür es will, doch immer im Sinne des Geschenks; sonst wird
es zu einem Sein im Widerspruch mit sich selbst, zu einem »Monstrum«; es wird
frei sein, sich für einen besonderen Lebensweg zu entscheiden, doch ist
es nicht frei, sich selbst als auberhalb der Logik des Geschenks stehend zu
denken.
Die gesamte Berufspastoral baut auf dieser
grundlegenden Katechese über den Sinn des Lebens auf. Wenn diese
anthropologische Wahrheit angenommen ist, dann kann man jedwedes
Berufungsangebot machen. Dann wird auch die Berufung zum geweihten Dienstamt
oder zur Weihe als Ordensperson oder als Laie mit all ihrem Gehalt an Geheimnis
und Entsagung zur vollkommenen Verwirklichung des Menschen und der Gabe werden,
die jeder in seinem Innersten besitzt und selber ist.
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