|
c) Die Berufung als dankbares Erkennen
Wenn jedoch die beiden Emmausjünger in
der eucharistischen Geste den Herrn, und alle Gläubigen in ihr den Sinn
des Lebens »erkennen«, dann entspringt die Berufung aus der »Erkenntnis«. Sie
wächst auf dem fruchtbaren Boden der Dankbarkeit, denn die Berufung ist Antwort,
nicht Initiative des einzelnen: sie ist Erwählung, nicht Wahl.
Gerade zu einer solchen inneren Haltung der
Dankbarkeit mübte der Gesamtzusammenhang des bisherigen Lebens
hinführen. Die Entdeckung, auf unverdiente und überreiche Weise
empfangen zu haben, sollte den Jugendlichen innerlich »drängen«, seine
Selbsthingabe in der Berufungsannahme als eine unvermeidliche Folge zu
verstehen, als einen Akt, der frei ist, weil er von der Liebe bestimmt wurde;
doch in gewissem Sinne auch ein schuldiger Akt, denn angesichts der von
Gott empfangenen Liebe spürt der Jugendliche, dab er gar nicht anders
kann, als sich hinzugeben. Es ist schön und völlig konsequent, dab
das so ist; eigentlich ist es nichts Aubergewöhnliches.
Die Berufspastoral ist darauf ausgerichtet,
zu dieser Logik der Anerkennung und Dankbarkeit hinzuführen; sie
ist auf menschlicher Ebene wesentlich gesünder und überzeugender und
theologisch besser begründet als die sogenannte »Logik des Helden«, also
dessen, dem das Bewubtsein, Beschenkter zu sein, fehlt und der sich selbst als
Urheber der Gabe und der Entscheidung betrachtet. Diese Logik nimmt wenig
Rücksicht auf die Sensibilität der heutigen Jugend, denn sie verkehrt
die Wahrheit des Lebens als eines empfangenen Gutes, das von Natur aus
hingegebenes Gut werden will.
Es ist die biblische Weisheit des »umsonst
habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben« (Mt 10,8), (103)
die Jesus seinen Jüngern und den Verkündern seines Wortes
anvertraute. Sie spricht die Wahrheit eines jeden Menschenlebens aus;
keiner kann umhin, sich selbst darin zu erkennen.
Von dieser Wahrheit aus leitet das Leben die
Form ab, die es dann anzunehmen gerufen ist, oder anders: aus dieser
einzigartigen Form des Glaubens entstehen dann die verschiedenen
Berufungsmodelle des Glaubens selbst.
Also wird es auch möglich, ebenso
starke und radikale Entscheidungen zu fordern, wie eine Berufung in eine
besondere Weihe, zum Priestertum und zum Ordensleben sie darstellt. Darum wird
der Anruf Gottes, so schwer und einmalig er auch scheinen mag (und es
tatsächlich auch ist), auch zu einer ungeahnten Förderung der echten
menschlichen Bestrebungen und gewährleistet ein Maximum an Glück, ein
Glück, das von Dankbarkeit überströmt und von dem Maria im
»Magnificat« singt.
|