|
d) Erkenntnis Jesu und Selbsterkenntnis
des Jüngers
Die Augen der Emmausjünger gehen auf
für die eucharistische Geste Jesu.
Angesichts dieser Geste verstehen Kleopas
und sein Begleiter auch den Sinn ihres Weges. Es ist ein Weg nicht nur zur
Erkenntnis Jesu, sondern auch zur Selbsterkenntnis. »Brannte uns nicht das Herz
in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift
erschlob?« (Lk 24,30-32). Es ist nicht nur eine gewisse Ergriffenheit in
den beiden Pilgern, die der Erklärung des Meisters lauschen, sondern das
Gefühl, dab dessen Leben, dessen Eucharistie, dessen Ostern und dessen
Geheimnis immer mehr ihr eigenes Leben, ihre Eucharistie, ihr Ostern, ihr
Geheimnis sein werden.
Im brennenden Herzen ereignet sich die
Entdeckung der Berufung und die Geschichte jeder Berufung. Diese sind immer an
eine Gotteserfahrung gebunden, in der die Person auch sich selbst und ihre
eigene Identität erkennt.
Auf die Berufsentscheidung hin zu erziehen
will heiben, immer mehr das Band zu zeigen, das zwischen der Gotteserfahrung
und der Selbstfindung, zwischen Theophanie und eigener Identität besteht.
Was das Instrumentum laboris sagt, ist sehr zutreffend: »Ihn als den
Herrn des Lebens und der Geschichte zu erkennen, bedeutet auch Selbsterkenntnis
des Jüngers«. (104)
Und wenn es dem Glaubensakt gelingt, die
»Erkenntnis Christi« mit der »anthropologischen Selbsterkenntnis« zu verbinden,
dann ist der Same der Berufung gereift, ja er ist aufgegangen und blüht.
|