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Das Offensein für das Geheimnis
Wenn die Verschlossenheit gegenüber dem
Geheimnis, ein Merkmal der modernen Mentalität, jede Bereitschaft für
eine Berufung verhindert, so ist deren Gegenteil, die Offenheit für das
Geheimnis, nicht nur eine positive Voraussetzung für die Entdeckung der
eigenen Berufung, sondern auch ein Anzeichen für eine gesunde Berufswahl.
a) Eine echte, subjektive Sicherheit für einen Beruf ist jene, die dem
Geheimnis Raum gibt und die fühlt, dab die eigene, wenngleich feste
Entscheidung offen bleiben mub für ein beständiges Erforschen des
Geheimnisses.
Eine unechte Berufung ist nicht nur jene,
die schwach und unfähig zu einer Entscheidung ist, sondern auch deren
Gegenteil, d.h. die Behauptung, bereits alles verstanden zu haben, die Tiefe
des persönlichen Geheimnisses ausgeschöpft zu haben, eine Behauptung,
die nur Starrheit hervorrufen kann und eine Sicherheit, die oft vom
späteren Leben widerlegt wird.
b) Ein für eine Berufung typisches Verhalten zeigt sich eher in
einer Haltung der Weisheit als in den zur Schau gestellten persönlichen
Fähigkeiten. Gerade darum ist die Sicherheit bezüglich des
Verständnisses der eigenen Zukunft jene der Hoffnung und des
Sich-Anvertrauens. Diese entstehen aus einem Vertrauen, das in einen
Anderen gelegt wird, dem man trauen kann; sie leitet sich nicht von einer
Garantie der eigenen Fähigkeiten ab, die als den Erfordernissen der
gewählten Rolle entsprechend eingestuft werden.
c) Ein gutes Zeichen für eine Berufung ist auch die Fähigkeit,
jene widersprüchliche Polarität anzunehmen und zu integrieren,
die die natürliche Dialektik des Ich und des menschlichen Lebens bildet.
So besitzt beispielsweise ein Jugendlicher dann diese Fähigkeit, wenn er
seine positiven wie auch negativen Seiten kennt, wenn er sich seiner Ideale und
Widersprüche sowie der gesunden und weniger gesunden Bereiche seines
Berufsplanes bewubt ist und wenn er angesichts des Negativen weder anmabend
noch verzweifelt ist.
d) Jener Jugendliche, der die Zeichen seiner Berufung durch Gott nicht
nur in aubergewöhnlichen Ereignissen erkennt, sondern in seiner Geschichte,
hat eine gute Vertrautheit mit dem Geheimnis des Lebens als jenem Ort, an
welchem eine Präsenz und ein Anruf wahrzunehmen ist in jenen
Vorkommnissen, in den Fragen, Ängsten und Hoffnungen, die er im Lichte des
Glaubens zu begreifen gelernt hat.
e) Zu diesem Bereich der Öffnung für das Geheimnis gehört
auch eine grundsätzliche Eigenschaft des wirklich Berufenen: die Dankbarkeit.
Die Berufung entsteht auf dem fruchtbaren Boden der Dankbarkeit, und sie wird
mit Hochherzigkeit und Radikalität betrachtet, eben weil sie dem
Bewubtsein einer empfangenen Liebe entspringt.
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