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Lebensentwurf aus dem Glauben
Der dritte Bereich, auf den sich die
Aufmerksamkeit dessen, der über eine Berufung entscheidet, zu
konzentrieren hat, betrifft die Art des Verhältnisses von Vergangenheit
und Gegenwart, von Erinnerung und Planung.
a) Vor allem ist wichtig, dab der Jugendliche im wesentlichen mit
seiner Vergangenheit versöhnt ist; mit allem unvermeidlich Negativen,
das ihm angehört, und auch mit dem Positiven, das er dankbar anerkennen
mübte; versöhnt auch mit den bedeutenden Gestalten seines Lebens, mit
deren Reichtum und mit deren Schwächen.
b) Aufmerksam ist auch die Art der Erinnerung zu beobachten, die
der Jugendliche mit seiner Lebensgeschichte verbindet, welche Deutung er seinem
Leben gibt: ist es für ihn Gnade oder Grund zur Klage? Fühlt er sich
bewubt oder unbewubt als Benachteiligter, der viele Ansprüche hat, oder
ist er offen, zu geben?
c) Besonders bezeichnend ist das Verhalten der Jugendlichen
gegenüber den gröberen oder kleineren Träumen der Vergangenheit.
Der Plan einer Lebensweihe an Gott bedeutet in jeden Fall, sein Leben, das man
einsetzen möchte, in allen seinen Aspekten anzunehmen, danach zu streben,
diese weniger positiven Bestandteile zu integrieren, sie realistisch anzuerkennen
und ein verantwortliches Verhalten anzunehmen, und nicht einfach ihretwegen
sich selbst zu bedauern. Ein »verantwortlicher« junger Mensch ist der, der
bemüht ist, sich eine aktive und kreative Einstellung
gegenüber negativen Vorkommnissen anzueignen, oder der sich bemüht,
die negative persönliche Erfahrung auf intelligente Weise
auszunützen.
Grobe Aufmerksamkeit ist auf jene Berufungen
zu verwenden, die aus Leid, Enttäuschung oder verschiedenen, noch nicht
ganz integrierten Ereignissen entspringen. In einem solchen Fall ist eine
aufmerksamere Prüfung geboten, auch unter Zuhilfenahme von Fachleuten,
damit nicht untragbare Lasten auf schwache Schultern gelegt werden.
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