|
Wir bitten den Herrn der Ernte
39. Unser Dokument, das mit dem Dank an den
Gott den Herrn begann, darf nicht schlieben ohne ein Gebet an die heiligste
Dreifaltigkeit, die Quelle und Bestimmung jeder Berufung.
»Gott Vater, Du Quell der Liebe, von
Ewigkeit rufst Du zum Leben und schenkst es in Fülle. Wende Deinen Blick
auf die Länder Europs. Rufe Europa wieder, wie Du es einst gerufen hast.
Gib vor allem, dab es sich Deines Rufes, seiner christlichen Wurzeln und seiner
Verantwortung, die daraus folgt, bewubt sei. Lab es sich bewubt sein, dab es
dazu berufen ist, eine Kultur des Lebens und die Achtung der Existenz eines
jeden Menschen in all seinen Formen und in jedem Zustand zu fördern;
berufen zur Einheit unter den Völkern, zur Aufnahme des Fremden, zur
Förderung bürgerlicher und demokratischer Formen des
gesellschaftlichen Lebens, damit es immer mehr ein Europa sei, das in Frieden
und Geschwisterlichkeit geeint ist.
Ewiges Wort, von Ewigkeit her nimmst Du die Liebe des Vaters an
und antwortest auf dessen Ruf. Öffne das Herz und den Geist der jungen
Menschen Europas, damit sie lernen, sich lieben zu lassen von dem, der sie nach
Deinem Ebenbild erdacht hat, und dab sie, indem sie sich lieben lassen, auch
den Mut aufbringen, dieses Bild, welches das Deine ist, zu verwirklichen. Mache
sie stark und hochherzig, fähig, auf Dein Wort zu setzen, frei zu hohem Flug,
begeistert von der Schönheit Deiner Nachfolge. Wecke unter ihnen
Verkünder Deines Evangeliums: Priester, Diakone, Gottgeweihte, Ordensleute
und Laien, Missionare und Missionarinnen, Mönche und Klausurschwestern,
die ihrerseits durch ihr Leben in die Nachfolge Christi, des Heilandes, zu
rufen und einzuladen verstehen.
Heiliger Geist, immerjunge Liebe Gottes, Stimme des Ewigen, die
unablässig tönt und ruft. Befreie den alten Kontinent von jeder
Gesinnung der Selbstgenügsamkeit, der Kultur des »Menschen ohne Berufung«,
von jener Furcht, die jeden Einsatz verhindert und das Leben schal und
geschmacklos macht, von jenem Minimalismus, der an Mittelmäbigkeit
gewöhnen läbt und in der Kirche jeden inneren Antrieb und jeden echt
jugendlichen Geist tötet. Lab unsere Jugend den vollen Inhalt der
Nachfolge erkennen als einen Ruf, sich voll zu verwirklichen, restlos und
für immer jung zu sein, ein jeder nach einem Plan, der eigens für ihn
erdacht wurde: einzig, einmalig, unwiederholbar. Einem Europa, das zu vergreisen
droht, schenke neue Berufungen, die Zeugnis geben können von der »Jugend«
Gottes und der Kirche, der Welt- wie der Ortskirche, vom Osten bis zum Westen,
und dab sie es versteht, Projekte einer neuen Heiligkeit zu fördern
für die Geburt eines neuen Europa.-
Heilige Jungfrau Maria, junge Tochter Israels, die der Vater als Braut des
Geistes erwählt hat, um dem Sohn irdisches Leben zu schenken. Bringe in
den Jugendlichen Europas denselben brennenden Mut hervor, den Du selbst
hattest; jenen Mut, der Dich eines Tages frei gemacht hat, an einen Plan zu
glauben, der gröber war als Du selbst, frei zu hoffen, dab Gott ihn
erfüllen würde. Dir, der Mutter des ewigen Hohepriesters, vertrauen
wir die Jugendlichen an, die zum Priestertum berufen sind; Dir, der
Erstgeweihten des Vaters, vertrauen wir jene Jugendlichen an, die im geweihten
Leben für sich die vorbehaltslose Zugehörigkeit zum Herrn
erwählen, als dem einzigen und höchstgeliebten Gut; Dir, die Du wie
kein anderes Geschöpf die Einsamkeit der völligen Vertrautheit mit dem
Herrn Jesus gelebt hast, vertrauen wir jene an, die die Welt verlassen, um sich
im monastischen Leben ganz dem Gebet zu weihen. Dir, die Du in
mütterlicher Liebe die werdende Kirche hervorgebracht und ihr beigestanden
hast, vertrauen wir alle Berufungen dieser Kirche an, damit sie, heute
wie einst, allen Völkern verkünden, dab Jesus der Herr ist, im
Heiligen Geist, zur Ehre Gottes, des Vaters! AMEN.«
Rom, am 6. Januar 1998, dem Fest der
Erscheinung des Herrn.
Pio Card. Laghi
Präsident
José
Saraiva Martins
Titular-Erzbischof von Tuburnica
Vize-Präsident
|