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... an euch, Hirten, Priester,
Gottgeweihte ...
6. Mit unerschütterlicher Hoffnung im
Herzen wenden wir uns an euch, Priester, und an euch, gottgeweihte Männer
und Frauen im Ordensleben und in den Säkularinstituten. Ihr habt einen
besonderen Ruf in die Nachfolge des Herrn vernommen, zu einem Leben, das ganz
ihm geweiht ist, und ihr seid auch besonders berufen, alle ohne Ausnahme
für die Schönheit der Nachfolge Zeugnis zu geben.
Wir wissen wohl, wie schwer heute diese
Verkündigung ist, und wie grob auch die Versuchung ist, bei einem
scheinbar nutzlosen Bemühen den Mut zu verlieren. »Die Berufspastoral
stellt den schwierigsten und sensibelsten Dienst dar«.3 Doch
möchten wir auch daran erinnern, dab es nichts Schöneres gibt, als
ein Zeugnis von der eigenen Berufung, das so glühend ist, dab es
ansteckend wirkt. Nichts ist logischer und überzeugender als eine
Berufung, die neue Berufungen weckt und euch mit vollem Recht zu »Vätern«
und »Müttern« macht. Nicht nur an jene, die bei der Förderung der
Berufungen einen offiziellen Auftrag innehaben, wollen wir uns mit diesem
Schreiben wenden, sondern auch an die unter euch, die nicht direkt mit ihr
befabt sind oder die meinen, sich in diesem Bereich überhaupt nicht
engagieren zu müssen.
Wir möchten sie darauf hinweisen,
daß nur ein gemeinsames Zeugnis die Weckung der Berufungen wirksam werden
läßt, und daß die sogenannte Krise der geistlichen Berufe vor
allem in der Zurückhaltung von Zeugen begründet ist, die die
Botschaft fragwürdig machen. In einer Kirche, die völlig
berufungsorientiert ist, muß jeder ein Förderer der Berufungen sein.
Glücklich seid ihr also, wenn ihr durch euer Leben auszudrücken
versteht, daß der Dienst an Gott schön und erfüllend ist, und
wenn ihr zeigen könnt, daß in Ihm, dem Lebendigen, jedes Lebewesen
zu sich selbst findet (vgl. Kol 3,3).
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