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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • ERSTER TEIL DIE HEUTIGE LAGE DER GEISTLICHEN BERUFE IN EUROPA »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter« (Mt 9,37)
    • Neues Europa
      • a) Ein verändertes und vielschichtiges Europa
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a) Ein verändertes und vielschichtiges Europa

Eines steht bereits fest: es ist praktisch unmöglich, die Lage in Europa bezüglich der Jugend und der unvermeidlichen Rückwirkungen auf die geistlichen Berufe in eindeutiger und statischer Weise zu beschreiben. Wir stehen einem veränderten Europa gegenüber, das durch die verschiedenen historischpolitischen Umstände (vgl. Ost-West-Konflikt), aber auch durch die Vielfalt der Kulturen und Traditionen (griechisch-lateinisch, angelsächsisch-slawisch) so geworden ist.

Diese Kulturen stellen jedoch auch seinen Reichtum dar und geben, wenngleich in unterschiedlichen Zusammenhängen, den Erfahrungen und Entscheidungen Bedeutung. So haben die Länder im Osten das Problem, wie sie mit der neuerworbenen Freiheit fertigwerden sollen, während man sich im Westen fragt, wie die echte Freiheit zu leben sei.

Diese Verschiedenheit wird auch von der Entwicklung der Berufe zum Priestertum und zum Ordensleben bestätigt, und zwar nicht nur durch den deutlichen Unterschied zwischen dem Aufblühen der geistlichen Berufe in Ost-Europa und der allgemeinen Krise im Westen, sondern weil es innerhalb dieser Krise auch Zeichen für eine Zunahme der geistlichen Berufe gibt, besonders in jenen Kirchen, in denen eine ernsthafte und beständige nachkonziliare Arbeit tiefe und wirkungsvolle Spuren hinterlassen hat.(5)

Wenn nun im Osten der Aufbau einer echten und organischen Pastoral im Dienst der Berufsförderung, von der Weckung der Berufe bis zu deren Ausbildung notwendig ist, so ist im Westen eine ganz andere Aufmerksamkeit gefordert. Man muß nach dem tatsächlichen theologischen Gehalt und nach der unmittelbaren Übertragbarkeit bestimmter Projekte der Berufsförderung fragen, nach dem ihnen zugrunde liegenden Berufsbegriff und nach der Art der Berufe, die sich aus ihm ergeben. Auf dem Kongreß wurde beharrlich gefragt: »Warum erzeugen bestimmte Theologien oder ein bestimmtes pastorales Handeln keine Berufe, während dies bei anderen der Fall ist?«.(6)

Ein weiteres Merkmal betrifft die europäische sozio-kulturelle Situation: die Überfülle von Möglichkeiten, Gelegenheiten und Anregungen, im Gegensatz zum Mangel an Zielen, Vorhaben und Planungsmöglichkeiten. Dies ist wie ein weiterer Gegensatz, der die Komplexität dieser geschichtlichen Zeit noch verschärft, mit negativen Auswirkungen auf den Bereich der Berufe. Wie das alte Rom, so scheint das moderne Europa einem Pantheon zu gleichen, einem groben »Tempel«, in dem alle »Götter« präsent sind oder in dem ein jeder »Wert« seinen Ort und seine Nische hat.

Unterschiedliche und sich widersprechende »Werte«, völlig gegensätzliche Deutungs- und Bewertungsmuster, Orientierungs- und Verhaltensmuster stehen ohne klare Werteskala nebeneinander.

In einem solchen Zusammenhang wird es schwer, ein einheitliches Weltbild oder Weltverständnis zu haben, was auch die Fähigkeit zur planerischen Gestaltung des Lebens schwächt. Denn wenn eine Kultur nicht mehr die höchsten Möglichkeiten einer Deutung festlegt, oder wenn es ihr nicht gelingt, in einigen Werten, die als besonders sinnstiftend für das Leben betrachtet werden, Übereinstimmung herzustellen, sondern wenn sie alles auf ein und dieselbe Stufe stellt, dann entfällt jede Möglichkeit einer Zukunftsplanung, und alles wird unwesentlich und gestaltlos.




5) Vgl. IL, 18.



6) Vgl. Proposizioni conclusive del Congresso Europeo sulle vocazioni al sacerdozio e alla vita consacrata, 8. Im folgenden zitiert als Propositiones.






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