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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • ERSTER TEIL DIE HEUTIGE LAGE DER GEISTLICHEN BERUFE IN EUROPA »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter« (Mt 9,37)
    • Neues Europa
      • d) Die Berufung Europas
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d) Die Berufung Europas

Und dennoch zeigt dieses Europa der vielen Seelen und der so schwachen Kultur (die sich trotzdem oft mit Übermacht behauptet), dab es über ungeahnte Kräfte verfügt und daß es wie noch nie lebt und gerufen ist, auf globaler Ebene eine wichtige Rolle zu spielen.

Obwohl der alte Kontinent noch die Wunden vergangener Konflikte und auch gewaltsamer, innerer Gegensätze an sich trägt, so hat er doch stärker als je zuvor den Ruf zur Einheit vernommen: Eine Einheit, die erst noch gebaut werden will, obwohl gewisse Mauern gefallen sind, und die sich auf das ganze Europa erstrecken mub und auf alle, die von ihm Gastfreundschaft und Aufnahme erbitten. Eine Einheit, die nicht nur politisch oder wirtschaftlich sein darf, sondern vor allem auch geistlich und moralisch sein mub. Eine Einheit, die alten Groll und überkommenes Mibtrauen überwinden muß und die gerade in ihren zutiefst christlichen Wurzeln ein Motiv für Übereinstimmung und eine Garantie für gegenseitiges Verständnis finden könnte. Eine Einheit besonders, die von der heutigen Generation junger Menschen sicher und umfassend, von Nord bis Süd, von Ost bis West, verwirklicht werden muß, indem sie gegen jede entgegengesetzte Versuchung zu Isolationismus und Beschränkung auf eigene Interessen verteidigt und der ganzen Welt als ein Vorbild friedlichen Zusammenlebens in bunter Vielfalt gezeigt wird.

Werden diese Jugendlichen fähig sein, eine solche Verantwortung zu übernehmen?

Wenn es zutrifft, dab der heutige Jugendliche leicht die Orientierung verliert und keinen festen Bezugspunkt findet, dann könnte das »neue Europa«, das im Werden ist, vielleicht ein Ziel werden und für die Jugendlichen ein angemessener Anreiz sein. Diese Jugendlichen »sehnen sich nach Freiheit und suchen Wahrheit, Spiritualität, Echtheit, persönliche Originalität und Transparenz; es verbindet sie ein Verlangen nach Freundschaft und Gegenseitigkeit«; sie suchen »Kameradschaft« und wollen »eine neue Gesellschaft bauen, die auf Werten gründet wie: Friede, Gerechtigkeit, Achtung der Umwelt, Beachtung der Unterschiede, Solidarität, Freiwilligkeit undAnerkennung der gleichen Würde der Frau«.(10)

Kurz gefaßt beschreiben die jüngsten Untersuchungen die europäischen Jugendlichen als desorientiert, aber nicht hoffnungslos; von ethischem Relativismus angesteckt, jedoch auch mit dem Willen, ein »gutes Leben« zu führen; ihres Bedürfnisses nach Heil bewußt, wenngleich sie nicht wissen, wo sie es suchen sollen.

Ihr größtes Problem ist wohl die ethisch neutrale Gesellschaft, in der sie nun einmal leben müssen; doch sind in ihnen die Kräfte noch nicht ganz erloschen. Dies besonders in einer Zeit des Übergangs zu neuen Ufern, wie es die unsrige ist. Zeugen dafür sind die vielen Jugendlichen, die ehrlich nach Spiritualität suchen und sich mutig im sozialen Bereich einsetzen, weil sie auf sich selbst und auf die anderen vertrauen und Hoffnung und Optimismus ausstrahlen.

Wir glauben, daß diese Jugendlichen trotz der Widersprüche und trotz der »Last« eines bestimmten kulturellen Umfeldes dieses neue Europa aufbauen können. In der Berufung ihres Mutterkontinents zeichnet sich auch ihre persönliche Berufung ab.




10) Propositiones, 4.






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