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Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

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  • ERSTER TEIL DIE HEUTIGE LAGE DER GEISTLICHEN BERUFE IN EUROPA »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter« (Mt 9,37)
    • Neue Evangelisierung
      • b) Neue Heiligkeit
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b) Neue Heiligkeit

In diesem Inkulturationsprozeß der Frohen Botschaft wird das Wort Gottes zum Begleiter des Menschen und ermutigt ihn unterwegs, um ihm den Plan des Vaters als eine Bedingung für sein Glück zu zeigen. Es ist genau das Wort des hl. Paulus aus dem Epheserbrief, das auch uns, das Volk Gottes in Europa, heute anleitet, etwas zu entdecken, das womöglich auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, das aber dennoch Ereignis ist, und Geschenk, und neues Leben: »So seid ihr denn nicht mehr Fremde... (Eph 2,19).

Dies ist selbstverständlich nichts Neues, sondern eine Art, mit neuen Augen auf die Wirklichkeit der Kirche im alten Kontinent zu blicken, die alles andere ist, als eine »alte Kirche«. Sie ist Gemeinschaft von Glaubenden, die zur »Jugend der Heiligkeit«, zur universalen Berufung zur Heiligkeit, gerufen sind, was mit Nachdruck vom Konzil(13) betont und im Anschluß daran bei zahlreichen Anlässen vom Magisterium bekräftigt wurde.

Der Augenblick ist gekommen, daß jener Aufruf wieder Kraft gewinne und alle Gläubigen erreiche, damit jeder fähig sei, »die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe« (Eph 3,18) des Geheimnisses der Gnade zu ermessen, das dem eigenen Leben anvertraut ist.

Es ist wirklich Zeit, daß jener Aufruf neue Formen von Heiligkeit aufzeige; denn Europa braucht vor allem jene besondere, originelle und sozusagen beispiellose Heiligkeit, die der jetzige Zeitpunkt erfordert.

Menschen sind gefordert, die fähig sind, »Brücken zu schlagen«, um die Kirchen und die Völker Europas immer mehr zu einigen und die Geister zu versöhnen.

Es muß »Väter« und »Mütter« geben, die offen sind für das Geschenk des Lebens; Brautleute, die die gottgesegnete Schönheit der menschlichen Liebe bezeugen und feiern; Menschen, die zum Dialog fähig sind und sich durch »Liebe zur Kultur« auszeichnen, um die christliche Botschaft in der Sprache unserer Zeit zu vermitteln; Fachleute und einfache Menschen, die fähig sind, dem Engagement im zivilen Leben, in den Arbeitsverhältnissen und in den freundschaftlichen Beziehungen die Transparenz der Wahrheit und die Intensität der christlichen Liebe aufzuprägen; Frauen, die im christlichen Glauben die Möglichkeit zur vollen Entfaltung ihres weiblichen Genius entdecken; Priester mit einem großen Herzen, wie das des Guten Hirten; ständige Diakone, die das Wort Gottes und die Freiheit zum Dienst an den Ärmsten verkünden; geweihte Apostel, die fähig sind, mit kontemplativem Herzen in die Welt und die Geschichte einzutauchen, und Mystiker, die mit dem Geheimnis Gottes so vertraut sind, daß sie die Erfahrung des Göttlichen zu feiern verstehen und die Gegenwart Gottes im realen Tun aufzeigen können.

Europa braucht neue Bekenner des Glaubens und der Schönheit des Glauben-könnens; es braucht Zeugen, die glaubwürdige Gläubige sind, mutig bis zum Blut; Jungfrauen, die dies nicht nur für sich selbst sind, sondern die es verstehen, allen jene Jungfräulichkeit zu zeigen, die im Herzen eines jeden liegt und die unmittelbar auf den Ewigen verweist, auf die Quelle jeder Liebe.

Unser Kontinent dürstet nicht nur nach heiligen Menschen, sondern nach heiligen Gemeinschaften, die so in die Kirche und die Welt verliebt sind, daß sie der Welt eine freie, offene, dynamische Kirche darstellen können, die im heutigen Europa präsent ist, dem Leid der Menschen nahe, aufnahmebereit für alle, eine Fördererin der Gerechtigkeit, aufmerksam den Armen gegenüber, nicht um ihre geringe Zahl und nicht um die Abgrenzung ihrer eigenen Tätigkeit bekümmert, weder vom Klima der sozialen Entchristlichung geschockt (die es tatsächlich gibt, wenn vielleicht auch nicht auf so radikale und generelle Weise), noch von der Kärglichkeit der Ergebnisse (die oft nur scheinbar ist).

Dies wird die neue Heiligkeit sein, die fähig ist, Europa neu zu evangelisieren und das neue Europa zu bauen!




13) Lumen Gentium, 32; 39-42 (Kap. V.).






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