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a) Berufung und Berufungen
Wie die Heiligkeit Ziel aller in Christus Getauften
ist, so hat jedes Leben seine eigene, besondere Berufung; und wie erstere in
der Taufe gründet, so ist die zweite mit der bloßen Tatsache seines
Daseins verbunden. Die Berufung ist der vorhersehende Gedanke des
Schöpfers über das jeweilige Geschöpf, sie ist sein Idealplan,
ist wie ein Traum, der Gott am Herzen liegt, weil ihm das Geschöpf am
Herzen liegt. Gott, der Vater, will diesen Plan unterschiedlich und spezifisch
für jedes Leben. Der Mensch ist nämlich ins Leben »gerufen«, und wenn
er ins Leben eintritt, trägt und findet er in sich das Abbild dessen, der
ihn gerufen hat.
Die Berufung ist die Einladung Gottes, sich
entsprechend diesem Bild zu verwirklichen, und sie ist einzig, einmalig und
unwiederholbar, weil dieses Bild unerschöpflich ist. Jedes Geschöpf
ist berufen, diese Botschaft und einen besonderen Aspekt des Gedankens Gottes
zum Ausdruck zu bringen. In ihm findet es seinen Namen und seine
Identität; es behauptet und sichert seine Freiheit und Originalität.
Wenn also jedem Menschen von Geburt an seine
eigene Berufung zukommt, dann gibt es in der Kirche und in der Welt
verschiedene Berufungen, die, während sie einerseits auf theologischer
Ebene die dem Menschen eingeprägte Ebenbildlichkeit mit Gott zum Ausdruck
bringen, andererseits auf der pastoralen Ebene auf die verschiedenen
Bedürfnisse der neuen Evangelisierung antworten und die Dynamik und
Gemeinschaft der Kirche bereichern: »Die Teilkirche ist wie ein blühender
Garten mit einer Vielfalt von Gaben und Charismen, Bewegungen und Dienstämtern.
Daher die Wichtigkeit des Zeugnisses ihrer gegenseitigen Verbundenheit, unter
Absage an alles »Konkurrenzdenken«.(15)
Mehr noch. Auf dem Kongreßwurde
ausdrücklich festgestellt: »Wir brauchen eine Öffnung auf neue
Charismen und Dienstämter hin, die sich wohl von den bisher gewohnten
unterscheiden mögen. Die Aufwertung der Stellung der Laien ist ein Zeichen
der Zeit, das erst noch voll zu entdecken ist. In zunehmendem Maße
erweist sich ihre Fruchtbarkeit«.(16)
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