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d) Kleine Herde und grobe Sendung(26)
Ein konsequentes Vorgehen in dieser Richtung
wird immer dazu beitragen, die Würde der Berufungspastoral sowie deren
natürliche und zentrale Schlüsselfunktion im pastoralen Bereich neu
zu entdecken.
Auch hier kommen wir von Erfahrungen und
Begriffen her, die in der Vergangenheit die Berufspastoral selbst fast wertlos
zu machen drohten, indem sie diese als weniger wichtig einstuften. Sie zeigt
manchmal kein überzeugendes Gesicht der heutigen Kirche, oder sie wird im
Vergleich mit anderen Bereichen als ein theologisch weniger begründeter
Teil der Pastoral angesehen, der erst durch eine kritische und zufällige
Situation entstanden ist.
Die Berufungspastoral befindet vielleicht
noch in einer untergeordneten Position, die einerseits ihrem Bild und indirekt
auch ihrer Wirksamkeit schaden kann, doch andererseits kann sie auch zu einem
günstigen Umfeld werden, um mit Kreativität und Freiheit — auch mit
der Freiheit zum Irrtum — neue pastorale Wege zu finden und zu beschreiten.
Vor allem aber kann diese Situation an jene
andere »Hilflosigkeit« oder Armut erinnern, von der Jesus beim Blick auf die
ihm folgende Menge sagte: »Die Ernte ist grob, aber es gibt nur wenig Arbeiter«
(Mt 9,37). Angesichts der Ernte des Gottesreiches, angesichts der Ernte
des neuen Europa und der neuen Evangelisierung, sind und werden die »Arbeiter«
wenige bleiben, »kleine Herde und grobe Sendung«, damit besser in Erscheinung
trete, dab die Berufung eine Initiative Gottes ist, eine Gabe des Vaters, des
Sohnes und des Heiligen Geistes.
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