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e) Die Berufung der Taufe
Dieser Ruf zum Leben und zum göttlichen
Leben wird in der Taufe gefeiert. In diesem Sakrament neigt sich der Vater mit
fürsorglicher Zärtlichkeit seiner Kreatur entgegen, dem Kind eines
Mannes und einer Frau, um die Frucht jener Liebe zu segnen und sie voll zu
seinem Kind zu machen. Von jenem Augenblick an ist das Geschöpf zur
Heiligkeit der Kinder Gottes berufen. Nichts und niemand vermag diese Berufung
auszulöschen.
Mit der Taufgnade greift Gott Vater ein, um
zu offenbaren, dab er, und nur er der Urheber des Heilsplanes ist, in dem jeder
Mensch seinen persönlichen Ort hat. Gottes Handeln geht immer voraus, ist
vorher, wartet nicht auf die Initiative des Menschen, ist nicht von dessen
Verdiensten abhängig und läbt sich nicht von dessen Fähigkeiten
oder Zuständen beeinflussen. Er ist der Vater, der kennt, anweist, einen
Impuls einprägt, ein Siegel aufdrückt und ruft, noch »vor der
Erschaffung der Welt« (Eph 1,4). Und dann schenkt er Kraft, geht
nebenher, stützt das Bemühen, ist Vater und Mutter für immer...
Das christliche Leben gewinnt so die Bedeutung
einer wechselseitigen Erfahrung: es wird zur verantworteten Antwort im Wachsen
seiner Kindschaft gegenüber dem Vater, und der Beziehung als Bruder oder
Schwester in der groben Familie der Kinder Gottes. Der Christ ist gerufen,
durch die Liebe jenen Prozeb der Gleichwerdung mit dem Vater zu fördern,
den man 'auf Gott ausgerichtetes Leben' (vita theologalis) nennt.
Darum drängt die Treue zur Taufe dazu,
an das Leben und an sich selbst immer genauere Fragen zu stellen; vor allem um
sich zu rüsten, die Existenz nicht nur auf der Grundlage des menschlichen
Verhaltens zu leben, obwohl auch dieses Gabe Gottes ist, sondern auf der
Grundlage des Willens Gottes; nicht nach weltlichen, oft sehr beschränkten
Perspektiven, sondern nach dem Wunsch und dem Plan Gottes.
Die Treue zur Taufe bedeutet also, nach oben
zu schauen wie Kinder, um Seinen Willen bezüglich des eigenen Lebens und
der eigenen Zukunft zu erkennen.
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