Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek
Päpstliches Werk für geistliche Berufe
Neue Berufungen für neues Europa

IntraText CT - Text

  • DRITTER TEIL PASTORAL DER GEISTLICHEN BERUFE »... Jeder hörte sie in seiner Sprache reden« (Apg 2,6)
    • Von den pastoralen Wegen zur persönlichen Berufung
zurück - vor

Hier klicken um die Links zu den Konkordanzen anzuzeigen

Von den pastoralen Wegen zur persönlichen Berufung

28. Wir könnten zusammenfassend sagen, dab sich das Leben jedes Christen in den vier Dimensionen der Liturgie, der kirchlichen Gemeinschaft, des Dienstes der Liebe und des Zeugnisses für das Evangelium verdichtet. Dies ist seine Würde und seine Grundberufung, es ist aber auch die Voraussetzung dafür, dab ein jeder seine persönliche Identität finden kann.

Jede Gläubige mub also den gemeinsamen Vollzug der Liturgie, der geschwisterlichen Verbundenheit, des Dienstes der Liebe und der Verkündigung des Evangeliums leben, denn nur durch eine solche umfassende Erfahrung kann er seine besondere Weise erkennen, wie diese Dimensionen des Christseins zu leben sind. Folglich sind diese kirchlichen Wege zu bevorzugen; sie sind gewissermaben die 'Hohe Schule' der Berufungspastoral, dank welcher sich das Geheimnis der einzelnen Berufung zeigen kann.

Dies sind auberdem klassische Wege, die zum Leben jeder Gemeinschaft gehören, die sich christlich nennen möchte. Sie zeigen gleichzeitig auch deren Festigkeit und Schwäche. Eben darum stellen sie nicht nur einen vorgeschriebenen Weg dar, sondern bieten Gewähr für die Echtheit der Suche und der Klärung.

Diese vier Dimensionen und Vollzüge bewirken einerseits eine ganzheitliche Einbeziehung des Subjekts, andererseits führen sie es zum Beginn einer sehr persönlichen Erfahrung, zu einer drängenden Konfrontation, zu einem unüberhörbaren Appell, zur Dringlichkeit einer Entscheidung, die man nicht ewig vertagen kann. Darum mub die Berufspastoral durch eine tiefe und ganzheitliche ekklesiale Erfahrung ausdrücklich zu einer Bestandsaufnahme verhelfen, die jeden Gläubigen »zur Entdeckung und Übernahme seiner eigenen Verantwortlichkeit innerhalb der Kirche«(85) hinführt. Berufe, die nicht von dieser Erfahrung und von dieser Einbindung in das gemeinschaftliche kirchliche Tun ausgehen, laufen Gefahr, an den Wurzeln zu kranken und von zweifelhafter Echtheit zu sein.

Für eine Erfahrung, die nur dann entscheidend sein kann, wenn sie umfassend ist, werden alle diese Dimensionen selbstverständlich gegeben und harmonisch aufeinander zugeordnet sein.

Tatsächlich gibt es oft Jugendliche, die spontan den einen oder anderen dieser Vollzüge vorziehen (einzig dem Freiwilligendienst verpflichtet; oder zu sehr von der liturgischen Dimension angezogen; grobe Theoretiker oder Idealisten). Es wird also notwendig sein, dab der Erzieher zu einer Verpflichtung herausfordere, die nicht auf den Geschmack des Jugendlichen zugeschnitten ist, sondern auf die objektive Glaubenserfahrung, die ihrem Wesen nach nicht auf Bestellung zu erhalten ist. Nur die Respektierung dieses objektiven Mabes kann das eigene subjektive Mab erkennen lassen.

In diesem Sinne geht die Objektivität der Subjektivität voraus, und der Jugendliche mub lernen, ihr den Vorrang zu lassen, wenn er tatsächlich sich selbst erkennen will und das, was zu sein er berufen ist. Oder anders: er mub zuerst das umsetzen, was von allen verlangt ist, wenn er wirklich er selbst sein will.

Nicht nur dies, sondern alles, was aufgrund einer Norm und einer Tradition objektiv geregelt und auf ein bestimmtes Ziel, das die Subjektivität übersteigt, ausgerichtet ist, übt eine beachtliche Anziehungskraft aus und weckt den Beruf. Freilich mub die objektive Erfahrung auch subjektiv werden oder vom einzelnen als die seinige anerkannt werden. Auszugehen ist jedoch immer von einer Quelle oder einer Wahrheit, die nicht vom Subjekt bestimmt wird und die sich der reichen Tradition des christlichen Glaubens bedient. Letztendlich »folgt die Berufspastoral den einzelnen, grundlegenden Schritten eines Glaubensweges«.(86) Auch dies spricht für ein gestuftes Vorgehen und dann für die Konvergenz der Berufungspastoral.




85) Propositiones, 10.



86) Propositiones, 11.






zurück - vor

Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek

Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC
IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License